SMX München 2013 Recap – SEARCH in einer anderen Dimension

SMX München

Am 9./10. April 2013 fand die SMX München statt und für alle, die an dieser „Leitkonferenz“ in Sachen Search nicht teilnehmen konnten, will ich versuchen, MEINE persönlichen Highlights für euch zusammen zu fassen. Dies wird aber nicht nur SEO beinhalten, sondern auch ziemlich viel persönliche Eindrücke. Gerade der letztgenannte Bereich ist für mich bei solchen Konferenzen prägend.

Aber beginnen wir einmal am Anfang. Ich flog am 08. April bereits nach München und stellte mit großer Freude fest, dass mein ABSOLUT SUPPORTER Karl Kratz den selben Flieger nutzen wollte. Kurzerhand buchten wir die Sitzplätze um und wir hatten Gelegenheit uns mal 1 Stündchen in Ruhe zu unterhalten. Dies kommt sonst leider immer viel zu kurz, obwohl ich Karl nun schon eine ganze Weile kenne.

Nach der Landung und der Fahrt zum Hotel ging es für mich zum Einchecken. Ein aus den letzten Jahren gewohnt geordneter Prozess von Seiten des Veranstalters.

Abends ging es dann mit Markus Hövener, Martin Röttgerding und Sasa Ebach zum Essen und dann wieder zurück in die Hotellobby, wo wir mit Alexander Holl, John Müller, Andre Goldmann, Kai de Wals und dem guten Karl noch eine tolle Stunde hatten.

Am nächsten Morgen begann dann um 09.00 Uhr die eigentliche SMX und zwar mit einem „Keynote Interview“, bei dem Danny Sullivan Jake Hubert befragte. Ich muss sagen, dass die SMX München für mich gerade davon lebt, dass US Speaker aufgestellt werden und so freute ich mich besonders auf Danny.

Danny Sullivan und Jake Hubert

Aber was soll ich sagen. Es war eine Kombination aus einem ungewohnt zurückhaltenden Danny Sullivan und einem gewohnt sprechenden Google PR Menschen. In der Kombination war das leider nichts und das war schade. Gerade zu Beginn gibt es immer so eine Aufbruch-Erwartung und die konnte bei mir nicht befriedigt werden. Schade.

Danny Sullivan und Marcus Tober

Auch in der anschließenden Session mit Danny Sullivan und Marcus Tober wurde das auf Seiten von Danny nicht besser. Ich hatte irgendwie ein anderes Bild von ihm und da sind wir vielleicht beim Kern. Danny ist ein sehr sympathischer Mensch. Wirklich, aber ich hatte das Gefühl er agiert mit deutlich angezogener Handbremse. Haben die Amies solchen Respekt vor den Deutschen?

Naja, ich werde da wohl keine Antwort bekommen, aber es war toll ihn mal in live zu sehen und auch zu sehen, was für ein netter und offener Mensch er ist.

In Sachen Handbremse hatte ich dagegen bei Marcus Tober überhaupt kein Gefühl von Anzug. Ganz im Gegenteil. Das was er in Sachen Google Zoo, Panda und Pinguin zeigte und sagte war toll. Kernaussage für mich war, dass es keinen leichten Weg gerade aus dem Pinguin gibt. Es ist mit Arbeit verbunden. Klar will das keiner hören, aber so ist es. Pinguin ist keine Strafe, sondern ein Algo-Update. Das heißt, wenn der Algo sich nicht in seiner Richtung verändert, dann muss sich das betroffene Projekt verändern, um etwas umbiegen zu können. Stillstehen und warten ist unsinnig aber weit verbreitet. Gerade die Abbauraten in Relation zum Aufbau neuer und guter Links waren beinduckend. Als Beispiel wurde hier unter anderem Check24 genannt.

Die nächste Session, die ich besuchte wurde von

Fili Wiese

gehalten zum Thema Search Engine Friendly Design. Da zeigte sich, dass man seine Erwartungen echt im Griff behalten muss. Wenn man trotz Anfänger Ausrichtung mit einem persönlichen Case reingeht, dann ist das nicht gut und so war es auch hier. Das lag überhaupt nicht an Fili, der eine tolle Session machte. Aber im Gegensatz zu mir hatte er sich an die Ausrichtung „Anfänger“ gehalten ;-).

Und dann kam es. Das wohl unbestrittene Highlight der SMX München 2013 in Person von

Julius van de Laar

Er nennt sich selber Kampagnen- und Strategieberater. Das trifft es zwar, aber das was er da gemacht hat, war fast nicht von dieser Welt. Ich kannte ihn und das Thema ja schon von den Online Marketing Rockstars und war vorbereitet. Um euch jetzt einen Eindruck von dem zu geben, was er genau gemacht hat, hole ich ein wenig aus.

Julius war Kampagnen- und Strategieberater im Wahlkampf von Barack Obama, der ja bekannter Weise Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist. Es ging also mal nicht um ein Projekt, sondern vielleicht um die Machtspitze auf dieser unserer Erde. Mehr geht da nicht und diese Aura umgab die Session und Julius die ganze Zeit. Ein Moment, den man selber und live erfahren muss, um ihn für sich einzufangen. Mein Schreiben wird da im Nichts untergehen.

Aber kommen wir einmal zu der Geschichte. Wie ihr sicherlich wisst, war die letzte Präsidentschaftswahl trotz der radikalen Auseinandersetzung der Republikaner in der eigenen Kanidatenwahl ein Kopf an Kopf Rennen. Das Wahlsystem entspricht ja nicht dem bei uns. Es geht darum Staaten und damit Wahlmänner zu gewinnen und da war es sehr knapp. Es ging besonders um die sogenannten „Swingstates“ bei denen die Entscheidung auf des Messers Schneide lag.

Das Team von Barack Obama agierte im Bereich der Kampagnenplanung mit ca. 1 Milliarde US Dollar. Das allein war schon eine Hausnummer. Julius zeigt dann sehr detailreich auf, wie die versucht haben, dieses Kapital wahlgewinnend „auf die Straße“ zu bringen. Ab jetzt wird es verrückt. Zu mindest nach deutschen Maßstäben.

In den USA gibt es Wählerlisten. Wähler müssen sich registrieren, um wählen zu dürfen. Nicht, wie bei uns, wo jeder Wahlberechtige automatisch eine Stimme (Stimmkarte) bekommt.

In diesen Anträgen müssen die US Bürger einige Daten angeben. Zum Beispiel sind das Name, Vorname, Geburtsdatum und noch einige andere Daten. Zu den anderen Daten gehört auch eine Tatsache, die erstaunlich ist. Man muss angeben, wen man in der letzten Wahl gewählt hat. Nicht, wen man wählen wird, sondern halt wen man gewählt hat. Krass oder ? Aber es wird noch besser.

Diese Wählerlisten werden den Parteien für den Wahlkampf zur Verfügung gestellt. Hallo ?

Na gut, dort ist es so. Ob dies jetzt eine passende Eigendefinition von Demokratie ist, das sein man dahin gestellt.

Diese Daten gingen also in den „Big Data“ Pool und wurden angereichert mit allen zugänglichen Drittdaten. Egal, ob kostenfrei oder kostenpflichtig. Dies können Kaufkraftdaten sein oder Daten die bei uns in Datenbanken zum Schutz vor Zahlungsausfall stecken und, und, und.

Diese Daten wanderten alle in eine Datenbank und wurden miteinander in Verbindung gebracht.

Für diese Daten wurde dann eine App gebaut, die zum Beispiel folgende Daten nach einer Wahrscheinlichkeitsrechnung ermittelten:

Welcher mögliche Wähler wohnt wo und was wird er vermutlich wählen, plus der Daten, was seine Familienangehörigen und Freunde wählen werden.

Diese App wurde sehr eng mit einer Facebook Kampagne verbunden. Über diese Verbindung wurden dann zusätzliche Daten erhoben. Das Meiste davon einfach durch Ansprache und freiwillige Teilnahme. Da zeigt sich wo „dieses“ Social Media auch enden kann.

Es wurden Email Daten erfasst und zugeordnet und auch weitere Daten direkt verbunden.

Doch die Daten alleine machen noch keinen Präsidenten. Die Obama Kampagne stützte sich sehr stark auf die vielen freiwilligen Wahlhelfer, die Obama mobilisieren kann.

Diese machten die „letzte Meile“. Sie gingen also mit Hilfe der App an die Haustüren und machten Wahlkampf. Die App selber zeigte ja insbesondere auch Menschen an, die aus dem „Big Data“ Pool als Unentschlossen ausgefiltert wurden. Hier konnte man ansetzen.

Julius beschrieb dann auch ganz besondere Situationen, wie zum Beispiel die, dass in einem Haushalt ein Demokrat mit einem Republikaner verheiratet ist. Hier wurden teilweise Hinweise gegeben, dass darauf zu achten ist, dass beide Personen nur getrennt voneinander zu befragen sind.

Die App wurde auch zur Spendengenerierung genutzt. So hatten Unterstützer die Möglichkeit über eine Quickdonate-Funktion direkt Kleinbeträge zu spenden.

Ein weiterer unglaublicher Punkt war die Tatsache, dass über die Anmeldung bei Facebook als Default das Posten im eigenen Namen mitgesetzt wurde. Hatten wir uns eigentlich mal über Trojaner beschwert?

Ok, am Ende reichte der ganze Aufwand, um Obama zum Wahlsieg zu verhelfen und dieser basierte auf einer Stimmenmehrheit von nur 134.000 Stimmen im Swingstate Ohio.

Julius selber sagte, dass ohne die Online Kampagne der Wahlsieg wohl an die Republikaner gegangen wäre. Sie hatten deutlich mehr Geld aber auch einen Kandidaten, der sehr viele Fehler produzierte.

Die Kernaussage bleibt aber auch und das zeigte neben der Weltpolitik den eigentlichen Kern.

Der Kandidat muss authentisch sein. MERKE!!!

Also danke nochmal an dieser Stelle für die Session von Julius. Das wird wohl mein Highlight in 2013 bleiben.

Bleibt nur noch die Frage, warum er damit jetzt durch die deutsche Konferenzszene pilgert. Machen die Republikaner dann nicht bei nächsten Mal das Selbe? Ach, ja und wie wurde eigentlich SEA und SEO bespielt. Dies blieb auch offen.

Weiter ging es dann mit einen Vortrag von

Marcus Tandler und Jake Hubert

Zu Jake schreibe ich jetzt nichts mehr. Er kann ja auch nichts dafür ;-). Zu Marcus schreibe ich schon was, da er wieder mal klasse war. Er brachte zwar von der Art her den Vortrag, den ich schon von der SEOkomm 2012 kannte, aber er war in einigen Teilen ergänzt, was es wieder interessant machte. Die Daumenkino Vortragsart ist schon im Positiven sehr speziell. Kernaussage war:

Kümmert euch um verdammt nochmal um euren AuthorRank.

Weiter ging es dann mit einer Session Webmasters on the Roof Live mit dem gerade genannten Marcus Tandler (Video gibt es hier)

webmasters-on-the-roof

und der Session zum perfekten Blog mit

Frank Doerr und Patrick Klingberg

die gewohnt souverän ihre Ansicht zum perfekten Blog aufzeigten. War alles drin und dran.

Aus meiner eigenen Perspektive will ich nur noch ergänzen, dass man darauf achten sollte dem Blog eine Strukturierung zu geben. Die „Durchlaufkonstruktion“ ist in Sachen SEO leider sehr schlecht.

Der Abend klang dann mit der After Dark Party in der Reitschule aus, wo ich tolle Gespräche mit Niels Doerje, Nicolas Sacotte, Olaf Kopp, Kai Spriesterbach und vielen anderen hatte.

Kurz nach Mitternacht war dann Schluss und nach einem Kurztalk mit Ralf Schwoebel in der Hotellobby fiel ich müde ins Bettchen.

Neuer Tag und neues Glück auf der SMX München 2013

Los ging es mit einem verlängerten Frühstück mit Julian Cordes, Sebastian Altenberend und Dennis Tippe. So verquatscht man die erste Session ;-)

Danach fand ich aber den Anschluss, weil ich mir unbedingt die Session von

Niels Dörje

ansehen wollte, der sich mit Google local beschäftigte. Als Kern kann man sagen, kümmert euch um das Thema, wenn ihr in Lokal etwas erreichen wollt. Vieles ist noch im Anfangsstadium, aber die Reise geht in Richtung Mobile (in seinen Augen Apps, weil einfacher) und local.

Google Mapmaker, solltet ihr euch ansehen und das, was Google mit den Geodaten macht. Das Erstellen der Geodaten, war übrigens die Grundlage der Google Streetview Aktivitäten. Die Bilder waren nur Beiwerk, so wie das Feststellen der WLAN Netze, hehe.

Nach einer Lücke war ich dann bei

Karl Kratz

und seiner Sicht von Data Driven Content. Alles logisch und folgerichtig. Hab eine Menge gelernt. Springt einfach mal selber in Karls System und lest ein paar eBooks. Es ist schwer, dies hier zu beschreiben. Als Neuheit zeigte er, wie er die Seite risikolebensversicherungen.com mit aktiv dynamischen Elementen versehen hat. Das wird in der Zukunft echt wichtig, wobei das auch neue Probleme aufwirft auf die er nicht eingegangen ist.

Egal. Der Raum war gewohnt überfüllt und inhaltlich super.

Weiter ging es mit der ersten Session von

Maximilian Muhr

die er direkt mit dem Branding Bild machte. Max seine Art ist schon ganz was Besonderes. Er ist so ein tapsiger Bär und das gibt dem immer eine ganz besondere Note. Tapsig ist überhaupt nicht negativ gemeint. Ich bin der Meinung, dass solche Träger den Unterschied machen und er hat sich echt wahnsinnige Mühe gegeben. Er zeigte auf, wie unterschiedlich und subjektiv das Verständnis zum Thema Guter Content ist. Dies insbesondere mittels Videostatements, die er über sein neues Projekt Expertiser generierte. Tolle Session mit dem Ergebnisaufruf :

Baut einzigartige und besondere Inhalte die begeistern

Die Session von Eric Kubitz zum Thema Onpage SEO 2.0 habe ich dann leider verpasst und bin dann zur Session von Jonas Weber und Stephanie Wood wieder eingestiegen. Beide zeigten, wie sie zum Beispiel aus dem Pinguin für eDarling gekommen sind. Auch da war es (wie Marcus Tober schon sagte) viel harte und ehrliche Arbeit gepaart mit Budget.

Die SMX München fand dann ihren Abschluss mit der Session, die ich zusammen mit Thomas Grübel und Nikolas Hoenig (lost in time) hatte. Hier erzählte ich meine TOP online Tipps, die speziell in der Onpage Optimierung zu Hause waren.

So, dass war es dann auch.

FAZIT zur SMX München 2013

Tolle Momente, total lohnenswerte Konferenz, die mit Sicherheit ihren Preis wert ist. Vielen Dank also an Rising Media, Sandra Finlay, Alexander Holl und Rebecca, der ich für die kommenden Wochen alles Gute dieser Welt wünsche. In diesem Sinne.

21 Antworten auf SMX München 2013 Recap – SEARCH in einer anderen Dimension

Thomas Schulze

Sehr guter und ausführlicher Recap, schade, dass ich heuer nicht komplett dabeii sein konnte. Ich nehm deinen Recap aber gleich in meine Recap liste auf!

Mein Fazit bisher:

-Brand
-author
-Trust
- und ganz viel Arbeit ;-(

ingo

Wie auf den Rockstars war ich auch dieses Mal bei Julius van de Laars wirklich beeindruckenden Vortrag wieder hin und her gerissen.
Zeigt er doch auf die Spitze getrieben ein Dilemma, vor dem (zumindest) ich mich auch immer mal wieder befinde, da ich vor meinem Informatikstudium im Erststudium Soziologie studiert habe… :)

Neben den in deinem letzten Absatz gestellten Fragen blieb für mich auch wieder folgendes stehen (oder ich habe einfach einen dicken Gedankenfehler drin – bitte helfen):
Bei Absoluter Stimmengleichheit vor Beginn der (ich weiß gar nicht ob ich das noch so nennen kann) Kampagne, allen Fettnäpfchen in die der Konkurrent regelmäßig getreten ist und was noch so alles vorgefallen ist:
Ohne diese Kampagne wäre die Wiederwahl sicher nicht geglückt, aber was hat die Gegenseite denn getan, das der Vorsprung dennoch so minimal war?

André Goldmann

Hallo Marco,

vielen Dank für deinen tollen Recap und die Erwähnung – ich fand es am Montag auch wirklich sehr angenehm, höchst interessant in der Konstellation zusammenzusitzen und über die verschiedenen Themen zu sprechen.

Im übrigen noch ein Lob zum Blogrelaunch – wirklich schick geworden und sehr nutzerfreundlich! Jetzt nur noch Responsive oder eine mobile Version und dann macht das lesen am Handy noch deutlich mehr Spaß :)

Beste Grüße aus Leipzig, André

Stefan

Eine schöne Zusammenfassung, Marco. Eines der Highlights war für mich auch die Präsentation von Julius. Allerdings muss man bei der Wahl-Registrierung nicht angeben, welche Partei man in der letzten Wahl gewählt hat. Man muss sich lediglich für eine Partei registrieren, wenn man an den Kandidaten-Vorwahlen dieser Partei teilnehmen möchte.

Knut

Hi Marco, toller und ausführlicher Recap. Die Keynote hatte allgemein keine so tolle Resonanz, das wird sich sicher nicht wiederholen. War nett mir Dir zu plaudern, auf der Campixx bist ja immer so im Stress. Gruss Knut

Frank

Hi Marco,

zu Deinem letzten Absatz vor’m Fazit – ich kann bei eadarling.de in keinem Tool SI-Einbrüche passend zu den Pinuguin-Update Terminen sehen?
Steh ich auf’m Schlauch oder wurde da evtl. eine Pinguin-Therapie für einen Panda-Patienten umgesetzt? However, gute Links drauf & schlechte weg hilft in beiden Fällen ;-)

Nen schickes weekend!

Frank