Sind die fetten Jahre im SEO vorbei ?

Alexander Sczakiel steht mit seinem Namen für provokante Thesen. Wer in der Vergangenheit seine Posts verfolgt hat, der wird gemerkt haben, dass er dieses provozierende Vordenkertum in seinen Zeilen hat. Was sich jetzt negativ liest, ist garnicht so negativ gemeint. Genau dieses Vordenkertum hat in der Vergangenheit das Internet immer einen Schritt weiter nach vorne gebracht. Twitter, Google, Facebook und viele mehr zeigen das deutlich.

Doch viele Vordenkerthesen sind auch einfach auf der Strecke geblieben, weil die Sichtweisen und Ansätze nicht in die richtige Richtung gegangen sind. Oft liegt und lag das daran, dass die Basisbewertung bei der Thesenerstellung falsch oder fehlerhaft war. Genau das ist bei dem Artikel von Alexander auf SEO-United geschehen.

Seine Thesen lauten

  • OnPageoptimierung im SEO wird im “normalen” Webdesign aufgehen
  • OffPageoptimierung = SMO (Social Media Optimization)
  • Die “Goldrauschzeiten” in der Suchmaschinenoptimierung sind vorbei

Gehen wir die Thesen doch einmal einzeln durch :

OnPageoptimierung im SEO wird im “normalen” Webdesign aufgehen

Der Mensch. Ein intelligentes Lebewesen, dass doch mit so vielen genetisch verankerten Basisfehlern ausgestattet ist. Einer der größten Fehler liegt in der Verhaltensweise. Menschen lernen in ihrem Leben bestimmte Abläufe bzw. spezialisieren sich auf etwas. Genau für diese Handlungsstränge werden besondere “Trampelpfade”  im menschlichen Gehirn angelegt. Diese Wege dann immer wieder zu gehen, macht die daraus resultierenden Arbeitsabläufe effektiver. Doch die Arbeitsabläufe verändern sich auch nicht mehr so einfach. Insbesondere dann nicht, wenn diese immer und immer wieder nach einem bestimmten Schema abgearbeitet werden. Genau das geschieht im Webdesign. Webdesign und Informationsarchitektur liegen im Lernprozess nicht sehr nahe zusammen. Das eine erfordert ein höchstes Maß an Kreativität, das andere einen sehr strengen strategischen Ansatz. Also grundsätzlich Felder die sich beißen. Das hat zur Folge, dass es gefühlten 90 % der Webdesigner nicht gelingt eine ordentliche Informationsarchitektur nach SEO Maßstäben mitzuentwickeln.

Wer diese Abläufe kennt, der erkennt auch, dass es in der Breite nicht dazu kommen wird, dass SEO hier ersetzt wird. Gleiches gilt für das Thema der Programmierer, die in aller Regel von echten Design und Informationsarchitektur keine Ahnung haben bzw. diese dem “Pfad” folgend nicht umsetzen können. Diese Spezialsisierungen steigern sich mit zunehmender Teamgröße. SEO bleibt mit seinen Ansätzen ein Teil im Gesamtkunstwerk der Websiteerstellung und so war es von Anfang an.

Ich würde die erste These also nicht als passend bezeichnen und sehe da auch für die Zukunft enorme Entwicklungsmöglichkeiten. Jeder, der mit Kundenanfragen zu tun hat, sieht täglich, dass der Markt noch riesig ist und der Bedarf wird auch von immer mehr Entscheidern erkannt. Das sieht man schon daran, dass die Projektentscheidungen immer höher in der unternehmensinternen Hirarchie angesiedelt werden.

OffPageoptimierung = SMO (Social Media Optimization)

Das ist eine These, die ich schon seit Jahren höre, die aber durch ständige Wiederholung nicht besser wird. SMO kann ein Teil der OffPageoptimierung sein. Nicht mehr und nicht weniger. Eine solche These aufzstellen zeigt, auf welchem “Trampelpfad” das erstellende Gehirn unterwegs ist. Nicht böse gemeint, aber es ist doch ein schönes Beispiel für meine Ausführungen oben. SMO ist wichtig keine Frage, aber auch so speziell, dass selbst SEOs spezialisierte SMOler beschäftigen, um ihre Ziele besser zu erreichen. Vielleicht sollte ich mal Alex beauftragen ;-)

Grundsätzlich ist es halt so, dass SEO immer mehr hirarchisch in die Projektführung rutscht und als strategischer Verbinder der Disziplinen eingesetzt wird.

Die “Goldrauschzeiten” in der Suchmaschinenoptimierung sind vorbei

Diese These setzt voraus, dass es jemals Goldrauschzeiten im SEO gab. Für mein Empfinden fehlt für diese These die grundsätzliche Basis. Es wurde im Netz schon immer Geld verdient und einige haben es schneller verdient wie andere. Gerade die Google Anfangszeiten haben Gewinner hervorgebracht. Doch mit dem Geld ist es so eine Sache. Schnell verdient heisst nicht, dass es in der Tasche bleibt und wo einige richtig groß geworden sind, weil sie nach dem “Verdienen auf der Überholspur” sich gewinnbringend weiterentwickelt haben, sind viele andere an der marktwirtschaftlichen Realität gescheitert. Das Problem ist und war, dass über die Verlierer kaum jemand ein Wort verliert. Der Begriff “Goldrausch” beinhaltet die allgemeine Wahrnehmung von SEO in den letzten Jahren. Der ständig feiernde, saufende oder andere Drogen konsumierende SEO mit angeblichen volen Geldtaschen  ist weitgehend verschwunden. Die SEO Szene hat sich professionalisiert und gemerkt, dass auch für sie Reputation ein Thema ist. Geschäfte werden immer weniger in Bordellen oder auf Partys abgeschlossen.

SEO ist also erwachsen geworden und nach meinem Empfinden wird dadurch inzwischen mehr Geld verdient wie vorher. In der Breite sind Tagessätze von 2.000 bis 5.000 € und mehr kein Anzeichen dafür, dass kein Geld mehr verdient wird. Ganz im Gegenteil. Doch nicht nur die SEOs sind meistens professioneller geworden, sondern auch die Entscheider, die die Gelder bezahlen müssen. Man kann also sagen, dass sich das Dienstleistungsfeld eingependelt hat und das ist eine Entwicklung die mehr als passend ist.

Fazit :

Die Thesen sind für meine Begriffe falsch und meine Ausführungen zeigen, dass auch ich mich auf meinen Trampelpfaden bewege. Neben der Agentur-Ansicht könnte man das nämlich auch für zum Beispiel SEO Affiliates subsummieren. Da wurde früher noch viel mehr gelabert.

24 Antworten auf Sind die fetten Jahre im SEO vorbei ?

Eric

Gut, das du das Thema noch mal anschneidest. Ich habe das gestern auf SEO-United an mir vorbei ziehen lassen. Dabei gebe ich dir völlig Recht: Die Thesen sind nicht haltbar.

Zur These 1: Fest steht, dass jede Webagentur und jeder Programmierer 100%-SEO-feinen Code produziert. Also, äh, das jedenfalls sagt. Die Realität ist aber eine komplett andere. Und abgesehen davon besteht Onsite-Optimierung aus ein bisschen mehr als Technik und Design…

Zur These 2: Eigentlich würde ich mir das wünschen und Matt Cutts sicher auch. Aber, mal im Ernst: Linkbuilding=Social Media ????

Und Goldrausch vorbei? Ich glaube tatsächlich auch, dass es diesen nie gab. Jedenfalls nicht im Berater-Business. Ja, es gab wilde Parties und wenige haben richtig viel Geld verdient. Aber halt wenige…

Wie auch immer: Die Branche professionalisiert sich und das ist prima so.

eric

Dennis

Also ich finde diesen Post auf SEO-United auch etwas zu reißerisch, aber das ist ja schließlich auch eine gute Art von Linkbait ;-)
Aber von einer ehemaligen Goldgräberstimmung zu reden ist m.E. überzogen. Die gesamte Branche gibt es im Vergleich zu anderen noch nicht so lange um Zyklen zu analysieren, zumal sich die Gegebenheiten von Jahr zu Jahr ändern, so dass ein direkter Vergleich gar nicht richtig möglich ist.
Ich finde sogar, an vielen Unternehmen ist das Thema Online Marketing und im speziellen SEO völlig vorbei gegangen, besonders an kleinen und mittelständischen Unternehmen, die jetzt erst allmählich auf den Zug aufspringen, da sie entdecken, dass es am Medium Internet längerfristig gar nicht mehr vorbei geht.
Die Branche ändert sich einfach nur, wie sie es in den letzten Jahren auch ständig getan hat und die SEO´s müssen sich nun einmal diesen Bedingungen anpassen um erolgreich zu sein, aber dies alles “schlecht” reden und ein Ende zu Prophezeien ist sehr gewagt.

Marco Rick

Hut ab Marco, sehr schön geschrieben auf feinstem Niveau. Der polemische Ansatz drüben bei SEO-Unided gefällt mir eher weniger.
Ich habe fast nur mittelständische Kunden und aus dieser Erfahrung kann ich deinen drei Schlussfolgerungen zu den Thesen absolut nur zustimmen. Je mehr diese KMU die Zusammhänge verstehen um so mehr beauftragen sie und trauen sich dann auch an dein Lieblingsthema: IA ;-)

Seonderbar

Hiho,

nette Ausführungen Marco. Ich sehe dies sehr ähnlich, denn SEO wird sich wandeln und mit dieser Wandlung auch die Herangehensweisen an eine suchmaschinenkonforme Optimierung.

Aber überflüssig? Ich denke nicht. Es wird seitens der Firmen immer ein Interesse geben zu erfahren oder zu verstehen, wie sich Suchmaschinenplatzierungen ergeben und wie man mit seinen Produkten und Seiten in diesen Ergebnissen am Besten vertreten sein kann.
Da werden dann andere Rädchen in einandergreifen und andere Weichen müssen gestellt werden.

Nun zu den Thesen von Alex. SEO vorbei usw? Ich sage dazu einmal: “Noch” Wieso noch? Nunja, weil man aktuell mit viel Geld und einer geschickten Werbeagentur durch gezielte Offlinekanäle “NOCH” ziemlich viele Besucher generieren kann. Das wird sich mit dem Internet/TV verhalten vermutlich jedoch ändern.

Aber weder eine Onpageoptimierung, siehe den Snippettest( http://searchengineland.com/eye-tracking-study-shows-importance-of-search-snippets-49304 ), als auch Offpageoptimierungen können durch lediglich ein Rädchen, hier das zitierte SMO, ersetzt werden.

Klar ist das SEO sich wandeln wird. Aber das hat es bis dato ja immer getan. Und klar ist auch, dass man sich diesen Änderungen anpassen muss, sofern man im SEO-Markt “überleben” möchte. Evtl. muss man einige neue Kanäle mitberücksichtigen, sich in andere Themengebiete einarbeiten ( ich denke wer für Brand Headkeys aktuell ranken möchte, kommt an Adwords kaum vorbei und das ist nunmal Googles Strategie… Noch mehr Geld generieren…) und offen für neues sein (Stichwort Optimierung von Webinhalten fürs mobile Web: “Apptimization” ( http://www.huomah.com/Business-Development/SEO-Business/The-Death-of-SEO.html )

Aber sterben wird SEO nur dann, wenn man es nicht schafft den Neuerungen anzupassen.

Just my two Cent.

Frank

Jau, gute Replik Marco. Ich hätte es wohl kaum geschafft, diese reißerischen Thesen so sachlich zu kontern. Fachlich stimme ich dir weitestgehend zu.
Wobei ich durchaus sehe, dass immer mehr Webdesign-Agenturen die ein oder anderen SEO-Basics besser integrieren (z.B. sprechende URLs, das ein oder andere Keyword im title). Aber man sieht weiterhin, ob ein guter SEO dran war oder nicht.

Thomas Schulze

Für mich gibt es den Eindruck, dass die Branche so langsam in professionelle Bahnen geht. Dh. die Kunden als auch die SEO ´s und Agenturen werden professioneller.

Und das kann doch nur gut sein!

Seobert

Sehr gut argumentiert Seonaut! Ich denke, dass das Thema Online Marketing immer umfangreicher werden wird und auf Spezialisten künftig (besonders in großen Unternehmen oder Agenturen) auch nicht verzichtet werden kann…im Gegenteil.

“OnPageoptimierung im SEO wird im “normalen” Webdesign aufgehen”

Sehe ich nicht so. Es sei denn, vor das Design ist ein anderer, fähiger Online Marketer (z.B. aus dem PPC) geschaltet, der die Keywordbasis liefert. Ansonsten bleibt es Aufgabe des SEO ein funktionierendes Design rund um die Keys zu verantworten.

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Volker Bretz

Ich bin da auch dieser Meinung: Die Thesen stimmen so nicht, laden aber ein zur Diskussion :-) Menschen dazu zu bringen, SEO-gerechte Texte zu bringen, ist ausgesprochen schwierig – da braucht es jemanden, der ständig dahinter ist. Von selbst funktioniert das nicht… Und die meisten Social Media haben auf Nofollow Links umgestellt. Zu Goldgräberzeiten kann ich nichts sagen…

okseo

Hallo Marco, wieder einmal vielen Dank für Deine fundierte Stellungnahme. Du bist echt Der Meinung das mit Bordellen und Saufen ist vorbei?? Scheiße wo ich doch gerade Jetzt in das Geschäft einsteigen wollte. :-))). Deiner ersten Stellungnahme folge ich im großem und ganzen. Aber der Trend das jeder Webdesigner das Seo mitmacht wird sich meiner Meinung wirklich verstärken. Der großteil der Kunden können doch die Professionelle Arbeit eines Seo´s nicht bewerten. Auch eine Informationsarchitektur sagt denen nicht´s. Ist das ein neues Gebäude in der Stadt?? :)) Sicherlich werden einige Unternehmen Professioneller aber der Großteil wird sich mit den einfachen Dingen zufrieden geben. Ich erlebe das täglich in meiner Arbeit. Euer okseo.

MXWorker

Hallo,

gerne würde ich auch noch einen Kommentar zum iPad Beitrag verfassen. Aber leider ist die Kommentarfunktion für diesen Beitrag abgeschalten. Wieso eigentlich?

Herzlichst MXWorker

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