Republica 2012 Re:Cap

Republica 2012 recap

Die Republica 2012 hat gestern nach 3 Tagen ihre Tore wieder geschlossen. Für mich Grund genug die 3 Tage mal für euch unter die Lupe zu nehmen.

Lohnt sich die Republica für SEOs ?

Die Frage habe ich schon sehr oft von SEOs gehört und sie zeigt mir immer wieder aufs Neue, wie verbohrt SEOs doch sein können. Leider muss ich mir die Jacke vielleicht auch selber anziehen, da ich die Gemeinde ja in ganz kleinen Teilen mitgeformt habe. So sei es.

Noch ein Grund hier noch einmal deutlich zu machen, dass es aktuell und in der Zukunft noch viel mehr darum gehen wird den größtmöglichen Teil der Gesamtklaviatur zu spielen. Klar, kann SEO der Fokus bleiben. Sich aber dadurch von allen anderen Bereichen abzuschotten ist ein fataler Fehler.

Was ist die Republica ?

Entstanden ist die Veranstaltung aus der Bloggerbewegung. Nicht der Bewegung der SEO Blogger, sondern der klassischen Web 2.0 Blogger. Also Leuten, die über ihre Blogs gesellschaftliche Veränderung mit gezielter Reichweite erzeugen wollten. In den ersten Jahren wurde dies noch offen belächelt. Doch das hat sich in Teilen geändert. Das was viele der älteren Blogger der Startbewegung jetzt machen oder bislang gemacht haben erfährt große Aufmerksamkeit. Nicht, weil sie gelernt haben, wie man gute Texte schreibt (die meisten konnten dies von Beginn an), sondern weil sie sich durch begleitende gesellschaftspolitische Diskussionen und Aktionen abseits des Internets Gehör verschafft haben. Die “Alten Hasen” haben also im Grunde das geschafft von dem wir im Online Marketing zu 80 % nur reden. Sie haben die Brücke geschlagen zwischen der OnlineWelt und der OffLine Welt.

Schon aus diesem Grunde sollte man zur Republica gehen.

Aber selbst, wenn man die Online Marketing Brille völlig absetzt bleibt die Republica eine spannende Veranstaltung. Sie ist kreativ und setzt sich mit gesellschaftlichen Entwicklungen auseinander, die man im täglichen Geschäft vielleicht nicht mitbekommt. Der Anspruch ist dabei nicht völlige Professionalität zu erfahren, sondern die Meinung von denen zu hören, sie auch bereit sind dafür etwas zu tun. Sei es zu demonstrieren, zu diskuttieren oder sonst was. Es ist also, als ob man das Ohr an die Basis des damaligen Web 2.0 gelegt hätte.

Spirit der Republica

Ich bin sicherlich einer der Verfechter des Spiritgedankens und deshalb jedes Jahr aufs Neue gespannt, wie sich die Republica entwickelt. Es ist einfach etwas anderes ein Event mit 550 Menschen oder wie hier mit 3.000 Menschen zu veranstalten. Die Herausforderungen steigen und die Chance den Spirit zu verlieren wächst.

Viele mit denen ich gesprochen habe, waren gerade im letzten Jahr von der Location im Friedrichstadtpalast sehr enttäuscht. Deshalb freute ich mich umso mehr, dass in diesem Jahr eine bessere Location gefunden wurde. In der Folge zeige ich euch ein paar Bilder, damit ihr ein Gefühl für meine Worte bekommt.

Republica 2012 Eingang

Der Eingangsbereich der Station Berlin war sehr geräumig und die Schlagen waren in Relation zur Anzahl der Veranstaltungsteilnehmer sehr überschaubar.

Republica 2012 Innenbereich

Im Innenbereich der Republica war für Sitzgelegenheiten ausreichend gesorgt.

Republica Bühnen

Die meisten Bühnen waren echt gut gemacht. Riesige Rückwandprojektionen begleitet mit ergänzenden Großfernsehern für die hinteren Reihen. Auch der Sound war fast durchgängig gut und professionell umsetzt. Kleine Fehler wird man nur im Fernsehen nicht haben ;-)

Die Teilnehmer

Die Zusammensetzung der Teilnehmer ist das was die Veranstaltung so besonders macht. Als ich vor Jahren das letzte Mal auf der Republica war, dachte ich noch, dass es sich um eine Horde von Interverrückten handelt, die noch jung und mutig genug war die Welt zu verändern. Ich war der Meinung, dass sich das über die Jahre ein wenig professionalisiert hätte.

Heute bin ich der Meinung, dass ICH meinen Geist bewegen muss. Viele der Teilnehmer sind ziemlich naiv im Umgang mit dem Internet. Online Marketing ist für die Meisten sicherlich ein Fremdwort. Doch gerade diese Tatsache ist fantastisch. Die Leute stellen noch Fragen, die mitten aus dem Leben kommen und die sie einfach nur selbst bewegen. Sie folgen in vielen Bereichen “noch” nicht dem Strom des Kapitals und alleine das macht es spannend. In einige Gespräche musste ICH lernen mich zu reduzieren. In einer Marketing Welt, die immer spezieller wird, ist es gerade die Fähigkeit sich zu reduzieren die, die immer wichtiger wird..

Ein Frage bleibt aber nach den Jahren

Um bestimmte Ziele zu erreichen, muss ich mir eine wirtschaftliche Unabhängigkeit erschaffen. Wenn ich für mich das Reputationsmittel Blog gewählt habe und damit politisch oder gesellschaftlich aktiv bin und es nicht nebenberuflich betreiben möchte, dann MUSS ich mir doch Gedanken darüber machen, wie ich meine Miete dauerhaft bezahlen und meinen Kühlschrank voll bekommen kann. Wenn ich Student bin und keine anderen Verpflichtungen habe, wie Familie, Haus oder anders mag das gehen. Doch der Altersschnitt der Republica Besucher deutete eher auf eine Altersstruktur hin, die ein Mehr an Sicherheit auch in Form von finanziellen Mitteln benötigt.

In den ersten Jahren war es ja noch toll zu sagen: “Ich muss mich total unabhängig halten und jede Form von Werbung würde mich in eine Ecke stellen”.

Ich errinnere nur an die damalige Vodafone Aktion mit Bloggern.

Für mich gibt es eine vollständige Trennung von Werbung und Inhalt. Das bedeutet nicht, dass ich mir nicht ansehe, wer bei mir wie wirbt, aber das Spiel wird sehr breit gespielt und nur, weil ich ein Banner von Vodafone setze heisst das nicht, dass ich nicht unabhängig schreiben kann. Gerade in diesem Bereich hatte ich das Gefühl das die Blogger nicht sehr viel selbstbewusster geworden sind. Sie erzählen, dass sie die TKP Vergütung für Blogs eine Frechheit finden und gestehen sich damit gleichzeitig ein, dass sie sich selber unter Wert verkaufen.

Sie haben nicht verstanden oder gelernt, dass die Exklusivität ihrer Inhalte der Schlüssel zum Erfolg ist und damit zu höheren Vermarktungspreisen. Und sie haben nicht verstanden, dass auch Marketing zum Spiel dazu gehört und auch Arbeit machen darf. Die Akquise von Werbekunden ist aufwendig. Gerade, wenn man sich Unabhängigkeit aushandeln will.

Die Themen, die ich spannend fand

Ein großer Themenkomplex war der Schutz von Urheberrechten, Acta und Datenschutz allgemein. Fast in jeder Diskussion wurde das Thema angerissen. Was ich in diesem Zusammenhang sehr spannend fand, war die Tatsache, das nur die Probleme aufgezählt wurden und Freiheiten eingefordert wurde. Wenn diese Forderungen aber nicht gepaart werden mit Lösungsvorschlägen, dann ist die ganze Diskussion nicht hilfreich.

Es kann durchaus sein, dass zum Beispiel die Musikindustrie in dem Freiheitsspiel völlig auf der Strecke bleibt (wie es ein Teilnehmer erklärte). Es könnte aber auch sein, dass einer deiner Kumpels plötzlich zum Amt muss, weil er nunmal von dem Bereich “leben” wollte. Das Thema ist viel komplexer als es die meisten Teilnehmer erfasst haben. Mit Teilnehmer meine ich die Zuhörer und nicht die Speaker des Panels. Da war ich sehr erstaunt, wieviel Fachwissen auch gerade aus dem Bereich der Politik eingebracht wurde.

Ein Highlight für mich war sicherlich der Auftritt von Sascha Lobo. Ich muss sagen, dass ich immer sehr gespalten bin, was seine Person angeht. Doch ich muss nicht seiner Meinung sein, um ihm attestieren zu können, dass er sich zu einem brillianten Konferenzredner entwickelt hat, der in diesem Umfeld sehr kritisch mit den Teilnehmern umgeht. Ich hatte die Punkte der fehlenden Professionalität schon angesprochen, die auch er zum Thema machte.

Ganz komisch war dabei aber die Reaktion der Zuhörer. Die lachten und gröhlten, obwohl sich der Lobo doch gerade über sie lustig machte.

Ein weiteres Highlight war eine Diskussionrunde mit Bloggern. Hier will ich einmal den Raul Krauthausen hervorheben.

Raul Krauthausen auf der Republica 2012

Er ist Gründer von Wheelmap.org (einem Kartenprojekt, dass sich mit behindertengerechten Locations beschäftigt) und ein Teil des Team von Sozialhelden.

Raul steht wirklich für ein leuchtendes Beispiel in Bereich der Kommunikation zwischen Behinderten und “Noch nicht behinderten” (wie Raul die Menschen ohne Behinderungen nennt). Er geht mit dem Thema Behinderung extrem offen um und steckt extrem viel kreative Energie in der Umsetzung von Online Projekten. Hier kann man sich davon neidlos eine Scheibe abschneiden. Er ist einer der Menschen, die die Gesellschaft im Umgang miteinander wirklich nach vorne bringen und ich war begeistert ihn einmal Live erleben zu dürfen.

Als drittes Highlight möchte ich auf eine Session von Jöran Muss-Merholz eingehen, die auf den tollen Titel

Die Technologie von James Bond und Captain Kirk in den Händen von Schülern
totaler Kontrollverlust für die Schule ?

hörte.

Es ging dabei mehr um Schule an sich, als um das Thema Science Fiction. Er zeigte auf, welche technischen Fortschritte in den letzten Jahren in der Computertechnik gelungen sind.

So ist die Leistungsfähigkeit von Computern im Handybereich extrem hoch im Vergleich zu der optischen Sichtbarkeit. Heute sieht kaum jemand, wenn ein Handy mit sich geführt wird. Es ist optisch fast nicht sichtbar und dennoch extrem leistungsfähig. Dazu kommt die Fähigkeit der Verbindung mit dem Internet.

Daraus entstehen ganz neue Möglichkeiten des Spickens. Ein Feld auf das sich Schüler einstellen werden und Schulen und Lehrer einstellen MÜSSEN.

Hier sei nur das auf das Projekt Google Glass hingewiesen. Wer das noch nicht gesehen hat, dem sein das Video empfohlen.

YouTube Preview Image

Es zeigt deutlich was in Zukunft möglich sein dürfte. Ich kann mir gut vorstellen, wie kreativ die Schüler im Umgang mit diesen Möglichkeiten umgehen werden. Uhren, Stifte, Federtaschen. Bluethooth oder ein anderer Übertragungsstandard wird es möglich machen.

So. Ich werde euch jetzt noch ein paar Bilder zeigen und mich dann aus dem Post verabschieden.

Mittagspause auf der Republica

Twitterwall auf der Republica Offline

Sascha Lobo auf der Republica

 

See you next Year. Republica 2013

Weitere Recap wurden gefunden bei

T3N

Buzzrank

Grey

Netzdebatte

Anke Gröner

Journelle

Vorspeiseplatte

Frisch gebloggt

Frontblog

Indiskretion Ehrensache

Kotzendes Einhorn

Beginners Mind

Imaginary Friends

und viele mehr…

Eines muss ich noch loswerden, weil es mich persönlich erstaunt hat. Es geht um das WLAN auf solchen Veranstaltungen. Die Republica zeigte die Grenzen des wirklich machbaren auf. Das WLAN netze die Last nicht halten kennen wir von fast allen Veranstaltungen. Da zählt nur der gute Wille. Das aber 3.000 Besucher die Bandbreiten der Anbieter Funkzellen zum Abwinken bringen können war mir neu. Ich mache da dem Veranstalter keinen Vorwurf, sondern will darauf hinweisen, dass es in dem bereich nicht um Geld geht, sondern um technische Überforderung.

 

6 Antworten auf Republica 2012 Re:Cap

Lukas Müller

Wow! Was für ein langer und ausführlicher Artikel!
Danke das du dir so viel Mühe gemacht hast! ;)

Ich berichte auf meinem Internet Marketing Blog auch über Theman wie SEO etc., alles was mit Internet Marketing zu tun hat.

Beste Grüße,
Lukas

Seb@argutus

Das nenn ich wirklich ausführlich! Interessant zu lesen, wie wenig Gedanken sich manche Leute über Marketing machen, bzw. welche Einstellungen es noch gibt. Die Veranstaltung selbst ist auch echt spannend. Gesellschaftlich wird doch mehr bewegt, als man denkt.

Suchmaschinenoptimierung

Das war der richtige Artikel für meinen 2. Kaffee am Nachmittag :-)
Ausführlich, nicht gerade langweilig und es bleibt was hängen.
Solche Verantstaltungen sollen, meiner Meinung nach, auch nicht nur für SEOs interessant sein, dafür gibt es andere. Trotzdem wird sich jeder Optimierer freuen, wenn er mal LIVE Gedanke mit anderen Bloggern austauscht.