Laufzeiten von SEO Verträgen

Wenn man im Themenbereich Suchmaschinenoptimierung als Kunde eine SEO Agentur sucht, muss man sich auch mit den Laufzeiten der entsprechenden Verträge beschäftigen. Der Kunde hat einen klaren Anspruch. Er will soll viel Ranking wie möglich, mit (am besten) gar keiner Bindung. Entsprechend gegensätzlich sind die Sichtweisen der SEO Agenturen. Sie möchten in der Regel lange Laufzeiten und so wenig Garantien auf Rankings wie möglich.

Es ist also in der Basis, wie bei Tarifverhandlungen. Beide Seiten gehen mit Extremen ins Rennen und wissen, dass sie sich irgendwo im Bereich zwischen den Positionen treffen müssen. Doch was ist gängig und was macht Sinn, wenn man beide Seiten betrachtet. Hier ein paar Ansätze :

Kurze Laufzeiten

Kurze Laufzeiten von SEO Verträgen sind voll im Sinne des Kunden. Er hat nur ein geringes finanzielles Risiko, da er sich nach den 3 Monaten in der Regel lösen kann. Das kann dann bei entsprechenden Kosten auch noch ein Batzen Geld bedeuten, aber halt weniger als wenn man eine Laufzeit von mehr als 3 Monaten hat (AH !). In diesem Zusammenhang sind mir immer wieder Verträge aufgefallen, die eine 3-monatige Laufzeit beinhalten aber ebenfalls eine Kündigungsfrist von 3 Monaten. Sehr sinnreich. Kunden müssten also direkt bei Vertragsbeginn schon kündigen. Das ist echt kein Umgang und Kunden sollten sich auf solche Konstrukte  nicht einlassen. Das Problem für eine SEO Agentur liegt bei dieser Laufzeit in der Dauer. In 3 Monaten kann die Agentur in der Regel noch keine besonderen Ergebnisse vorlegen. Das ist sicherlich bei kleinen Projekten möglich, aber die Erfahrung zeigt, dass bei etwas größeren Projekten in 3 Monaten nicht einmal die OnPage Hausaufgaben gemacht werden können. Selbst wenn alle mitwirkenden Bereiche sauber und schnell zusammen arbeiten ist der OnPage Bereich bei mehr als 100 Keywordseiten und oft gänzlich fehlender Keywordstruktur in 3 Monaten kaum zu schaffen.

Ist es also realistisch im Bereich SEO eine Laufzeit von 3 Monaten als Kunde anzustreben ? Ja. Ich denke, dass sich in den ersten 3 Monaten gut erkennen lässt, wie leistungsfähig eine SEO Agentur ist. Um eine volle Beurteilung durchführen zu können und weil die meisten Verzögerungen in der OnPage Umsetzung beim Kunden selber liegen, sollten aber 6 Monate als passend angesehen werden.

Ich selber halte eine solche Mindestlaufzeit von 6 Monaten für ideal. Der Kunde kann die Arbeit sauber und fair beurteilen, da alle Basisarbeiten gemacht sind. Auch kann man nach 6 Monaten in der Regel schon die ersten Erfolge aus OnPage Optimierung und Linkaufbau erkennen bzw. besser erkennen. Beide Seiten sind nach 6 Monaten ist in aller Regel durch “dick und dünn” gegangen. Bedeutet, es kam auch einmal zu Situationen in denen der Kunde anderer Meinung war, wie die SEO Agentur. Die Möglichkeit in diesen Situationen sinnvolle Kompromisse zu finden ist kein unwichtiger Faktor für beide Seiten.

Lange Laufzeiten

Genau auf der anderen Seiten sind Laufzeiten für SEO Verträge von 12 bis 36 Monaten (mehr habe ich persönlich im Basisangebot für Erstkunden noch nicht gesehen). Hier liegt der schwarze Peter voll beim Kunden. Er bindet sich (sofern er keine Ausstiegsklausel hat) über eine sehr lange Zeit und kann somit nicht auf die leistungfähigkeit der SEO Agentur reagieren. Was schlecht ist, muss dann schlecht bleiben. Oft wird bei sehr langen Laufzeiten mit großen Preisabschlägen gearbeitet, um die Kunden zu locken und oft gelingt dies auch. Ich selber kann aber nur jedem Kunden empfehlen sich nicht auf solch lange Laufzeiten einzulassen. Das gilt nur für Erstverträge ohne Wissen über die Agentur.  Zu mindest sollte man bei langen Laufzeiten eine 6-monatlige Testphase mit Sonderkündigungsrecht vereinbaren. Dann passt es.

Sollte sich die Zusammenarbeit vorher (mit kurzer Laufzeit) als sehr positiv dargestellt haben, hat der Kunde über die langen Laufzeiten gute Möglichkeiten die Kosten für die Optimierung zu drücken. Sicherlich wird jede SEO Agentur dicke Abschläge anbieten, wenn sie mit festen Einnahmen über sagen wir mal 36 Monate rechnen können. Bei Zufriedenheit und Vertrauen, sollten Kunden also hier die Bandagen anlegen.

Das gilt hier alles eher für den von mir betreuten Bereich der KMUs. Bei großen Firmen mit festen Online-Marketing Strukturen läuft es in Sachen Laufzeit oft ganz anders ab. Was nicht heißt, dass es effektiver ist.

Wir nutzen im Bereich der Erst-Verträge fast ausschließlich die 6 Monats-Variante und das nicht weil wir nicht auch gerne lange und sichere Laufzeiten hätte (aus Kapitalsicht), sondern weil wir mit der Laufzeit auch als SEO Agentur die Möglichkeit haben den Vertrag zu beenden.  60 % der Verträge künden wir zur Zeit von uns aus, weil die Kunden einfach nicht in die Pötte kommen. Nichts ist ermüdender und kreativitätsvernichtender als die Arbeit mit trägen Kunden, die das Thema SEO nach 6 Monaten nicht in ihre unternehmerischen Gedanken haben einfließen lassen. Effektives SEO funktioniert in der heutigen Zeit halt nicht ohne die Mitwirkung des Kunden. Zumindest nicht, wenn man den Kunden nicht in die völlige Abhängigkeit drängen will.

Fazit

Ich selber denke (wie beschrieben), dass 6 Monate Vertragslaufzeit für einen SEO Erstvertrag aus der Sicht beider Seiten eine ideale Lösung ist. Alles danach ist Verhandlungssache und kann sich gut und gerne im Bereich von bis zu 36 Monaten abspielen. Komisch nur, dass ich in 80 % der Fälle was anders sehe. Gerade bei den Kalt-Akquise Selbsthilfe-Vereinen. Also gebt fein Acht.

Das hir ist ist nur meine Meinung. Wie sieht es bei euch aus ? Was denkt ihr ist die ideale Laufzeit von SEO Verträgen für beide Seiten ?

21 Kommentare zu “Laufzeiten von SEO Verträgen”

  1. 6 Monate sind bei Konzernen (und anderen trägen Kunden) zu wenig. Nach 6 Monaten haben die ja gerade erst intern das OK bekommen, dass jetzt statische URL statt 20 Parametern verwendet werden. Bis das umgesetzt wurde vergeht dann noch mal etwas Zeit. Klar, man kann solche Kunden auch direkt rausschmeißen. Das ist sicher besser für die Nerven aber nicht unbedingt für den Geldbeutel. Und viele Agenturen tragen solche trägen Kunden mit um sie auf der Referenzliste führen zu dürfen.

  2. Meine Verträge laufen max. 12 Monate und enden dann automatisch. Bin ja kein Aboverkäufer. Hab nur einen Vertrag der von Beginn an unbefristet läuft und das auch nur auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden. Länger als 12 Monate würde ich aber keinen Erstvertrag machen. In 12 Monaten kann man schon einiges stemmen. Was bis dato nicht die ersten Erfolge zeigt bekommt man auch danach nicht mehr zum anlaufen.

  3. Marcel sagt:

    Morgen zusammen,
    ich halte 6 Monate als Basis auch für optimal, nach dieser Zeit kann man in der Regel schon erste aussagekräftigen Bilanzen ziehen, sofern alle (also Kunde und Agentur) mehr oder weniger an einem Strang ziehen. Die langen Vertragslaufzeiten kenne ich eigentlich nur von Kunden die bei uns anrufen weil sie vorher an eine der bekannten Agenturen mit Telefon-Vertriebsarmee geraten sind, allein daher bin ich schon kein Freund davon. Optimal in meinen Augen: 6 Monate Mindestlaufzeit, mit 3 Monaten Kündigungsfrist.

  4. Mhhh… Aus meinen Erfahrungen meine ich dazu, dass die Überlegung auch was mit dem Vergütungsmodel zu tun hat.

    Einerseits kann man ein SEO-schwieriges Thema wie “Webseite für Finanzvermittler” (Betrag x) per Einmal-Kosten und 3-6 Monate Support-Vertrag (kleineren monatl. Betrag y) lösen.

    Andererseits kann man bei interessanten (SEO-leichteren) Themen einen längeren Vertrag 12-36 Monate anbieten, dafür keine Einmalkosten verlangen, aber über die ganze Laufzeit direkt mit Prozentsatz x am Online-Umsatz dran hängen.

    Andersrum wäre es schlecht für den SEO: Also Prozent X vom Vermittler bei nur 3 Monaten Laufzeit. Bzw. kleiner Bertrag x bei ständig wachsendem Kunden.

    Mein Fazit: Vertragslaufzeit sollte im direkten Zusammenhang zur Vergütung stehen und je Kunden/Auftrag/Projekt individuell betrachtet werden.

    Als SEO will man ja schließlich dauerhaft Freude haben und am steigenden Umsatz des Kunden mit partizipieren … Also ich zumindestens ;-)

    Gruß BeachCoach aka Micha

  5. Ich denke, dass es auch immer auf das Projekt ankommt. Wenn es sich zum Beispiel um einen regionalen DJ handelt der wirklich nur regional gefunden werden möchte, so kann man diesen kaum mit einer Laufzeit von 12 oder 24 Monate dazu bewegen sich an eine Agentur zu binden.

    Es kommt halt immer auf den jeweiligen Kunden und sein Projekt an. Auch denke ich, das man bei einer guten Zusammenarbeit mit dem Kunden in 6 Monaten schon einiges bewegen kann – und für den Fall das alles gut läuft, verlängert der Kunde eh meistens den Vertrag.

    Beste Grüße aus Leipzig, André

  6. [...] lesen: Laufzeiten von SEO Verträgen var szu=encodeURIComponent(location.href); var [...]

  7. Dirk sagt:

    Hallo, ich denke mal, dass 6 Monate so eine Art Standard ist für die Arbeit mit KMU. Daran halte ich mich auch bei Neukunden, es sei denn, diese haben wirklich gute Argumente.

    @Seonaut Du schmeißt über die Hälfte der Kunden nach 6 Monaten raus? Hab ich das richtig verstanden? Obwohl die gezahlt haben? That’s amazing!

  8. Mike sagt:

    @Dirk
    Ist doch irgendwie verständlich. Was will man z.B. mit Kunden die OnPage Optimierungen erst nach 100mal Nachfragen umsetzen oder wo irgendein Designer/Programmierer ständig neue Scheiße baut und damit z.B. massig DC erzeugt.

  9. Meeschi sagt:

    Hallo, wir sehen bei uns, das man in einem halbe Jahr sehr viel erreichen kann.. Zum Thema: Wenn beide Seiten zufrieden sind, wird es zu einer Verlängerung des Vertrags kommen.. Gruß

  10. SEOnaut sagt:

    @dirk Ja, dass hört sich zwar überheblich an, aber es ist so. Ich glaube, dass einige Leute schon gemerkt haben, dass mir das Thema SEO einfach Spaß macht. Man kann gerade den legal kreativen Teil in der Suchmaschinenoptimierung nicht ohne den Kunden machen. Linkbaits, Guerillias und ander Aktionen gehen nur, wenn der Kunde das System lebt und verstanden hat. Dann macht es beiden Seiten Spaß. Das ist das wo ich hin will. Wenn der Kunde nur auf der Stelle tritt und den Spirit nicht aufnehmen kann, habe ich den Spaß nicht, den ich für die Arbeit brauche. Also was soll ich mit dem Kunden ? Ich war nie ein Typ, der nur aufs Geld geschielt hat. Scheiss darauf Millionär zu werden. Es gibt wichtiger Dinge. Viel Wichtigere. Eines da von ist SPAß

  11. Ich schliesse mich BeachCoach Micha an und finde persönlich eine vom Umsatz abhängige Beteiligung für alle Beteiligten am Sinnvollsten. Der SEO hat grossen Anreiz die Seite langfristig und legal zu pushen und der Kunde ist bei sichtbar steigendem Umsatz auch gerne bereit den SEO dafür zu entsprechend zu entlohnen. Dazu kann man sehr interessante Umsatz-Formen entwickeln :)

  12. mustafa sagt:

    Hallo,
    ich finde auch, dass 6 Monate optimal sind und
    ich denke, um so handeln zu können wie Seonaut
    (“Kunden rausschmeißen”) muss man an
    einem Punkt angelangt sein, wo man sich seine Kunden aussuchen kann. Das heisst das Geschäft muss sehr gut laufen und zu dem Punkt sind nicht viele angekommen. Ich persöhnlich würde das gleiche wie Seonaut machen, wenn ich an diesem Punkt gelangt wäre.

    MfG
    Mustafa

  13. Uwe sagt:

    Der SEONAUT will kein Millionär werden! Ja Ja – er ist ja schon einer…

  14. Mark Ralea sagt:

    Hi,

    komme ja nicht aus dem SEO Bereich sondern habe eher Kunden im Community Management Segment. Da ist eine kurzfristige Lösung für 1-3 Monaten total sinnfrei, denn man erkennt meist noch keinen wirklichen Fortschritt.

    Was sich bei mir bewährt hat ist ein Vertrag ohne Laufzeit, welcher nach den ersten 6 Monaten gekündigt werden kann. Und dann immer 1 Monat vor Quartalsende.

    Sicher kann man damit nicht für die nächsten drei Jahre planen, aber Kunden sehen schon was alles gemacht wird und merken selbst dass eine langfristige Aktivität aus einem “Guss” Sinn macht.

  15. Morsten Taue sagt:

    Als ich vor 6 Monaten mit SEO anfing, musste ich mir diese Frage auch stellen und habe mich für folgende Vorgehensweise entschieden.
    Transparenz im Vorzeigen von Results ja, Einsehen und Erörterung der technischen Abläufe nein!

    Kunde nennt Wunschkeyword für eine Top 10 Platzierung und erhält dafür einen oder mehrere 301er aus meinen
    keywordgetriebenen Subdomainclustern. Dann erfolgt Rechnungslegung zwischen 2000 und 6000 Euro und Kunde ist happy.

    Weil die Ergebnisse nicht mit a href erzielt werden, guckt die backlinkscannende Konkurenz auch in die Röhre.

    Macht der Kunde die Mücke, werde ich den Redirect noch an seinen Konkurenten vermieten.
    Ich nenne es das doppelte Lottchen.

  16. Dan sagt:

    “Ich war nie ein Typ, der nur aufs Geld geschielt hat. Scheiss darauf Millionär zu werden. Es gibt wichtiger Dinge. Viel Wichtigere. Eines da von ist SPAß” <<<< !!! Ich mag dich :)

    Von der Laufzeit her finde ich ein Minimum von 3 Monaten angemessen, was man mit dem Kunden aber auch vernünftig kommunizieren sollte (wieso, weshalb, warum), danach sollte dann ein "offenes Vertragsverhältnis" folgen, wobei der Kunde zum Ende eines jeden Monats kündigen kann (und zwar den ganzen Monat über ohne sich an irgendwelche "obskuren Konstellationen" halten zu müssen), falls er mit den weiteren Ergebnissen nicht zufrieden sein sollte oder seine persönlichen Ziele erreicht wurden.

  17. tom sagt:

    Ich denke es gibt die unterschiedlichsten Projekte… es kann ja nun auch mal sein, dass der Kunde auf Teufel komm raus “kein onpage” möchte – aber bei 5 Hammer Keys nach vorn… ich denke das Projekt dauert dann halt mal 3 – monate länger … anderenfalls denke ich, kann man bei ganz kurz angebundenen auch mal nen fixen Test machen.. geht also sehr kurz, kurz, mittel, lang bis ganz lang ;) und klar – im Idealfall immer nach Erfolg oben rauf – und hier macht es sicher dann auch allen Spaß ;) @ seonaut – die Kontakte hast du aber noch gell?
    Tom

  18. [...] sie auch umgesetzt wird. An diese Sache musste ich beim Seonauten denken, der in seinem Artikel zu Laufzeiten bei SEO-Verträgen sehr offen und mutig angesprochen hat: eine Zusammenarbeit in Sachen SEO ist für den SEO nicht [...]

  19. [...] Laufzeiten von SEO Verträgen [...]

  20. @Meeschi Habe damit auch nur gute Erfahrungen gemacht. 6 Monate geben dem Kunden das Gefühl sich nicht gleich ewig zu binden und wer zufrieden ist, bleibt einem danach sowieso treu. Wenn die eigene Arbeit und deren Ergebnisse überzeugen, braucht man seine Kunden auch nicht zu knebeln.

    @livetechniker Umsatzabhängig ist fein, nur bei Kunden mit klassischem “Offlinegeschäft”, die die Website zwar zur Aquise neuer Kunden nutzen, aber online nichts verkaufen, funktioniert das nicht. Bei mir ist das bei den meisten Kunden so…