Interview zum Thema Domain-Markt und Vergabe ein-zwei-stellige Domains
In der letzten Woche lief ja der Vergabeprozess der Denic für ein bzw. zweistellige Domains. Es war ein Riesenhype und es herrschte Goldgräberstimmung. In diesem Zusammenhang habe ich ein Interview mit einem Markt-Teilnehmer geführt, der aber aus verständlichen Gründen nicht genannt werden will. Ertragt das einfach und erfreut euch an den Informationen.
Wann hast du von der Aktion der Denic erfahren?
Ich habe am 15 Oktober gegen 17:00 über Twitter davon erfahren und habe es zuerst gar nicht ernst genommen. Als dann immer mehr Nutzer die Nachricht auf Twitter verbreitet haben, habe ich bei der Denic angerufen, diese haben jedoch keine Information raus gegeben. Kurz darauf gab es dann ja auch die Pressemitteilung von der Denic.
Wann hast du angefangen gezielte Maßnahmen zu ergreifen, um dich entsprechend Erfolg versprechend aufzustellen?
Ich habe mich nicht speziell für den Stichtag gerüstet. Ich habe zwar bei verschiedenen Denic Mitgliedern Domains vorregistriert, aber ich im Gegensatz zu anderen Domainern keine speziellen Vorkehrungen getroffen oder Unsummen für den vergeblichen Versuch kommen ausgegeben.
Welche Maßnahmen wurden nach deiner Kenntnis von den Marktteilnehmern ergriffen, um möglichst viele Domains zu bekommen?
Jedes der 270 Denic Mitglieder durfte am 23.09 von 09:00 Uhr an pro Minute 4 Domains registrieren. Wenn eine Domain mehrmals versucht wurde zu registrieren, so wurde sie dem Denic Mitglied zugesprochen dessen Registrierungsantrag zuerst eingegangen ist. Eben „First come – first served“. Nun sind natürlich von Natur aus die Mitglieder im Vorteil die sich auf das Snappen von Domains spezialisiert haben, da sie einfach über eine entsprechende Technik und Routine auf diesem Gebiet verfügen.
Nicht wenige der Denic Mitglieder haben ihre ersten Registrierungsversuche an den Meistbietenden verkauft. Andere haben einfach ihre gesamte Technik inklusive Zugang zur Denic SMTP Schnittstelle vermietet.
Etliche Provider haben Domains bereits im vorab “versteigert”, der Kunde, der am meisten bietet sollte bei erfolgreicher Registrierung die Domain bekommen. Soweit nicht unbedingt verwerflich. Allerdings mussten die Kunden bei vielen Providern ihr Gebot bereits im Vorfeld in voller Höhe an den Provider überweisen, damit dieser versucht die Domain für sie zu registrieren. Schockierend ist allerdings das manche Denic Mitglieder die mit diesem Verfahren gearbeitet haben auch bei erfolgreicher Registrierung einer Domain diese teilweise nicht auf den meistbietenden Kunden registriert haben. Vielmehr wurde in mindestens einem Fall die Domain einfach auf einen Strohmann umgeschrieben und somit verheimlicht das die Domain erfolgreich registriert wurde.
Ebenfalls zu erwähnen ist, dass eine nicht unerhebliche Anzahl von Denic Mitgliedern in so genannten Catch Pools gemeinsam versucht hat erfolgreich bei der Registrierung davon zukommen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Viele Denic Mitglieder versuchen die gleichen Domains zu registrieren. Da nur ein Mitglied erfolgreich sein kann, haben die anderen Mitglieder einen ihrer Startplätze verschenkt. Dadurch, daß nun nur eine kleine Anzahl der Mitglieder eines Catch Pools versuchen je eine Domain zu registrieren steigert sich insgesamt die Chance erfolgreich aus der Registrierungsphase zu gehen. Einige dieser Pools haben im übrigen nur für einen Marktteilnehmer registriert.
Um zu vertuschen, wie erfolgreich manche Domainer und Provider waren wurden nicht selten Strohmänner als Besitzer eingetragen, die Domain ins Ausland transferiert oder gleich ein eigenes dafür gegründetes mit der Domain gleichnamiges Unternehmen als Besitzer eingetragen. Somit wird sicherlich auch versucht markenrechtlichen Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen oder ihnen vorzubeugen.
Hatten Webmaster und Privatpersonen überhaupt eine echte Chance an gute Domains zu kommen?
Resultierend aus den oben genannten Methoden lautet die Antwort “eigentlich nein”.
Wie schaut der deutsche Domainmarkt aus? Gibt es einzelne Mächtige Domainer oder große Organisationen die großen Einfluss haben? Gibt uns doch mal einen Überblick.
Ich bin niemand der vom Domainbusiness lebt oder regelmäig auf entsprechenden Veranstaltungen ist. Daher habe ich keinen absoluten Überblick. Nachdem was ich allerdings mitbekomme gibt es etliche kleine Fische die ein paar hundert Domains besitzen und sich damit ein bisschen oder auch ein bisschen mehr dazu verdienen. Große Fische mit mehreren tausend Domains oder einer kleinen Auswahl an absoluten Topdomains gibt es schon wesentlich weniger. Über die Anzahl derjenigen die vom Domainbusiness richtig gut leben können gibt es unterschiedliche Meinungen. Ich tippe auf etwa 10 – 20 Domainer in Deutschland. Von denen hat sich aber sicherlich keiner auf .de Domains festgelegt. Zwar ist Deutschland mit seinen .de Domains unter den landesspezifischen Endungen was die Anzahl und die Höhe der Verkäufe angeht ganz vorne, kann aber bei Weitem nicht mit internationalen Endungen mithalten.
Beruhend darauf kann man sagen, daß es zwar durchaus Organisationen und Einzelpersonen gibt die erfolgreich sind und den Markt, auch den deutschen Markt, dominieren. Das liegt aber eher an der Technik, den vorhandenen finanziellen Mitteln und dem Verhandlungsgeschick. Auf die normale Vergabe von freien Domains hat keiner direkten Einfluss. Wie viel Einfluss manch ein internationaler Domainer auf die Freigabe von neuen TLDs hat vermag ich aber nicht zu sagen.
Danke für das Interview
















Moin!
Klasse Interview gibt glaube einen guten Überblick über das geschehene. Das etwas in der Richtung abläuft und man als “Normalo” da nicht wirklich zwischen kommen würde war auch zu erwarten.
Also klasse finde ich das Interview nicht gerade. Der anonyme “Domainer” hat keine Neuigkeiten verraten. Alle Infos im Text waren mir – und sicherlich auch anderen Domain-Interessierten – schon vorher bekannt. Schade eigentlich.
Ich kam auch etwas zu spät zur Domainvergabe..sehe aber Potential zum Geld verdienen..allerdings würde ich eher von einem Zusatzverdienst reden. Ganz vom Domainhandel zu leben, ist sicher schwer. Außerdem gehört immer ein wenig Glück dazu
[...] man so schön sagt. zeit das ganze mit etwas abstand objektiver zu betrachten. genau das hat der seonaut getan und einen insider interviewt. lesenswert! Share and [...]
@michael Sorry, ich werde immer vorher in der Blogosphäre rumfragen, wer was weiss
Danke für das interessante Interview!
Genau was ich mir auch gedacht habe. Bin zwar nicht so in diesem Thema drin, aber dachte mir das ich keine Chance auf mo.de habe, deshalb habe ich es erst garnicht versucht. Das einzige was ich mir danach noch groß angeschaut habe war die Liste der Personen die diese Domains registriert haben.
[...] ganze Interview gibt’s bei seonauten.com: Interview zum Thema Domain-Markt und Vergabe ein-zwei-stellige Domains. [...]
Ich find es absolut schade, dass der normale Nutzer überhaupt keine Chance hatte sich irgendwas zu sichern. Finde einfach da ist einiges ganz schön schief gelaufen. Meiner Meinung nach hätte man die Vergabe ganz anders Aufziehen sollen, so das jeder z.B. die jeweilige Domain per Hand registrieren hätte müssen, aber wie so oft regiert natürlich das Geld die Welt.
[...] Interview zum Thema Domain-Markt und Vergabe ein-zwei-stellige Domains [...]