DSDS-News.de oder was man mit Marken nicht tun sollte

dsds-news-vs-rtl

Wie die meisten von euch sicherlich wissen, führt Philipp Klöckner seit einer Abmahnung von RTL im März einen Prozess gegen den Sender. Grund der Abmahnung ist und war die Nutzung der Domain www.dsds-news.de. Diese trägt deutlich sichtbar die markenrechtlich geschützten 4 Buchstaben als Frontfahne.  Hinter der Abmahnung stand und steht sicherlich die Angst weiterhin Nutzer in Richtung solcher Seiten zu verlieren und somit bares Geld. Die Rechte an der Marke sind ein multi-millionen Euro Geschäft. Das dort mit harten Bandagen geboxt wird, war sicherlich klar.

So ging es meiner Meinung auch nicht darum, ob die Marke hätte in der Domain (das steht ohne Genehmigung nach meinen Rechtsempfinden ausser Frage) genutzt werden dürfen, sondern eher darum, dass sich RTL 3 Jahre lang die Entwicklung anschaute und unterschätze. Doch sind die 3 Jahre Untätigkeit Grund genug so etwas wie ein Recht aus Duldung abzuleiten ?

Das ist die Frage, die das Landgericht in Köln in dieser Sache beantworten musste. Dieses geschah nach meiner Kenntnis in zwei Prozess-Teilen. Im ersten Prozess setzte sich Philipp vor ca. 4 Monaten noch gegen RTL durch. In dem Urteil wurde Philipp bestätigt, dass es keine Rückübertragungsrechte der Domain an RTL gibt.

Doch viel entscheidender war die Entscheidung über die weitere und vergangene Nutzung der Domain, die in der letzten Woche vom Landgericht getroffen wurde und hier sah die Welt ganz anders aus.

Philipp wurde es wohl untersagt, die Domain weiterhin kommerziell zu nutzen. Das bedeutet : Ende mit Werbebannern und Ende mit Werbeeinnahmen.

Das Gericht teilte wohl nicht die Auffassung, dass mit der Nutzung der Domain nur “Schreiberlinge” bezahlt wurden, sondern das es direkt und indirekt um Kapitalgewinnung ging. Und das Gericht ging sogar noch weiter. Wenn ich den Veröffentlichungen auf anderen Seiten glauben schenken kann, muss Philipp auch die vergangenen und aktuelle Einnahmen aller Projekt mit dem Markennamen DSDS im Domainnamen offen legen.

Was lernen wir nun aus dem Prozess ?

Philipp hat die Sache sicherlich auf die Spitze getrieben und damit indirekt dem interessierten SEO Volk einige Lehren erteilt.

Nutze nie eine Marke im Domainnamen, wenn du keine Nutzungsrechte hast

Wir SEOs schauen doch immer darauf möglichst das Keyword im Domainnamen zu haben. Dies schon aus dem Grund, dass bei direkter Verlinkung der Anchor-Text entsprechend übergeben wird. Doch bei Marken sollte man diesen Optimierungs-Punkt einfach auslassen. Es geht dadurch sicherlich ein wenig Potential in Sachen Ranking verloren, aber egal. Gerade, wenn man wirklich etwas projektiert, steht der finanzielle und persönliche Aufwand in keiner Relation zu dem Schaden nach einer solchen Entscheidung. Also Finger weg von Marken in der Domain.

….. es sein denn, ihr habt eine schriftliche Nutzungsmöglichkeit der Marke erteilt bekommen.

Hätte Philipp also in den Entstehungszeiten bei RTL nachgefragt, ob er den Domainnamen für ein solches Projekt hätte nutzen dürfen und RTL hätte diesem Vorgang aus Unkenntnis der weiteren Entwicklung zugestimmt, wäre das Urteil sicherlich anders ausgefallen bzw. RTL hätte sicherlich garnicht erst abgemahnt. Dünnes Eis, also seid sehr sorgfälltig dabei.

Doch es bleiben auch Fragen offen.

Was wäre gewesen, wenn Philipp eine neutralere Domainohne Marke genutzt hätte ? Wäre dann Werbung möglich gewesen ? Wie ist es, wenn ich im Content optimiert mit der Marke arbeite ? Wo ist da jetzt die Grenze ?

Es kann ja nicht sein, dass mir als “Fan” die Möglichkeit der Finanzierung aberkannt wird. Und nicht nur dem Fan, denn was machen alle anderen großen Medien anders. Die nutzen die Marke auch. Geht es also auch ein wenig um lohnende Ziele ? Können sich “Kleiner” nicht so gut wehren ?

Es ist immer das selbe Problem. Wie soll ich zum Beispiel als Verkäufer einer noname Stoßstange für einen BMW erklären, dass die an einen BMW gehört, wenn ich die Marken nicht nutzen darf. Ich kenne die Diskussion aus dem Bereich des Druckerzubehörs sehr intensiv.

Fragen über Fragen, die jedoch eines zeigen. Man muss sich vor Beginn eines solchen Projektes in der Form intensive Gedanken machen und sich sicherlich mit Anwälten kurzschließen. In jedem Fall sollte man sich vorher eine Genehmigung des Markeninhabers einholen. Oft kommt es da sicherlich auf Kooperationsmöglichkeiten an. Man sollte also auf eine WIN:Win Situation achten.

Viele gerade der jungen aufstrebenden Webdesigner und SEOs sind hier viel zu naiv in der Projektierung und das kann sehr teuer werden.

Ich würde also als Empfehlung neutrale Domains nutzen. Die Nutzung der Marken im Content kann ich nicht als illegal erachten. Das würde meinem Rechtsempfinden sehr entgegenstehen und in dem Bereich hätte ich auch bis aufs Letzte gestritten.

Was ich jedoch nicht weiss ist, ob Philipp das Urteil angenommen hat oder ob er mögliche Rechtsmittel/Widersprüche einlegt. Wir werden es sehen.

2 Antworten auf DSDS-News.de oder was man mit Marken nicht tun sollte

Alex

Hey Marco, klasse Zusammenfassung :-)
Punkt ist, dass klassisches “Markenrecht” überhaupt nicht auf web 2.0 bzw. x.0 ausgelegt ist. Ich habe das auch mit meinen Socken. Eine Strickmasche verändert und Patent ist ausgehebelt, bringt also gar nix mehr, was zu erfinden. Trauriger Stand! Die “Marke” muss sich weiterentwickeln, darum ist so ein Prozess wie der von Philipp schon wichtig. Bin auch mal gespannt was weiter passiert und danke für die Berichterstattung. Wir sehen uns auf der Campixx!