Die Inflation der Blogosphäre durch Twitter

Viele Blogger haben schon lange das Gefühl. Doch dieses Gefühl scheint in der ach so modernen Blogosphäre nicht öffentlich verschriftet werden zu dürfen. Das Gefühl beschreibt, dass der MicroCom Service Twitter die Blogosphäre auffrisst (Inflation der Blogosphäre) und wenn es die Blogosphäre auffrisst, warum nicht gleich das ganze Internet ?
Ist Twitter also so etwas wie der Finalpunkt des Internets ?
Menschen, die sich nicht im Internet auskennen wissen oft garnicht, dass die Grundidee die Verlinkung von verschiedenen Seiten ist. Grundgedanke ist also, dass subjektiv interessante Inhalte untereinander verlinkt werden, um darauf hinzuweisen und so einen Mehrwert zu bieten. Dieses Grundprinzip ist in den letzten Jahren gerade von der Blogosphäre gut verstanden worden.
Um die Blogs bildeten sich regelrechte Communities, die ihre Inhalte untereinander verlinkten und somit Vorreiter des Internetgedanken waren. Doch genau diese Vorreiter ziehen sich jetzt verstärkt in den Mircokosmos Twitter zurück. Das Grundproblem für diese Bewegung ist schnell erkannt.
Es ist ein Faktor, den viele als Zeit beschreiben würden. Also ein Faktor von dem viel zu viele massive Internet-Nutzer viel zu wenig besitzen.
Es herrscht Zeitnotstand.
Die Folge ist, dass immer weniger gebloggt wird. Es schleicht sich das inflationäre Schreibergefühl ein, dass man mit einem Tweet (Kurznachricht) oder einem ReTweet (Weiterleitung einer Meldung) seine Schuldigkeit ggü. dem Internet oder der Blogosphäre abgeleistet hat. Ich will jetzt garnicht auf die existenziellen Verlinkungsbedürfnisse von SEOs eingehen, sondern mehr erwähnen, dass das nicht reicht, um das Internet in gewohnter Form am Laufen zu halten.
Nehmen wir zur Erklärung des Verfalls einfach mal die mit über 90% deutschem Such-Anteil vertretene Suchmaschinen Google. Sie stellt einen Mega-Hub dar. Hier werden Inhalte sortiert, algorithmisch bewertet und verteilt. Die gut platzierte Verlinkung in dieser Suchmaschine führt dazu, dass andere geistige Ergüsse finden, diese vielleicht als interessant bewerten und ihrerseits darüber in Artikelform berichten und verlinken. Das geht nur wenn das Grundmuster der Verlinkung nicht verloren geht.
Ein weiteres Szenario ist, dass ein Blog (oder auch andere Internetseiten) positiv aufgefallen sind und ich mich mittels Feed-Abholung an der informellen Quelle bereichern will. Dann lese ich, bewerte, schreibe vielleicht selber und verlinke, weil es das Internet so vorsieht.
Das alles und noch viel mehr gibt es dank der Revolution Twitter nur noch in der Schmalspur-Variante. Twitter ist viral und bewegt die Leute dazu sich Seiten auch anzusehen. In der Regel aber nicht mehr.
Es geht um Zeit. Wenn ich keine Zeit habe nutze ich Twitter und wenn ich somit Twitter benutze haben ich keine Zeit. Logisch oder ?
Wenn ich also keine Zeit habe, sind eigene Posting auch über ableitende Themen für mich nicht in Schussweite, da ein Posting in aller Regel zwischen 20 und 30 Minuten an Zeit verschlingt.
Ok, fassen wir zusammen. Die Leute besuchen vielleicht meine Seite, wenn ich aktiv twittere. Das was Internet aber ausmacht, also die Verlinkung des Inhaltes, durch Verfassen von weiterleitenden oder verweisenden Inhalten mit entsprechenden Links kommt zum Erliegen oder ist nur noch sehr eingeschränkt zu beobachten.
Die Reaktion kann also nur bedeuten :
Twitter-Boykott ???
Vielleicht. Wenn man nicht mit Twitter wächst.
Twitter beinhaltet die Chance interessante Themen schnell zu erhalten. Doch eine Anpassung muss erfolgen. Gerade die Blogosphäre muss lernen, dass erwachsenes Twittern mehr Zeit kostet und nicht weniger. Erwachsenes Twittern bedeutet lesen, informieren, verteilen, selber schreiben und verlinken.
Nur wenn die Bloggosphäre diesen Schritt schafft kann sich Twitter zu einer Bereicherung entwickeln. Sonst bleibt es ein informativer Zeitfresser und Internet-Zerstörer.
In diesem Sinne….. bloggt/postet wieder mehr, um die Inflation der Blogosphäre aufzuhalten, denn ich kann mir ein SMS basierendes Internet nicht vorstellen.
















Twitter ist eine Revolutiondie durchGoogle Wave noch weiter vorangetrieben wird. Sicher sind einige Blogger nun mehr in Twitter unterwegs, aber das wird sich meines Erachtens geben. Im Gegenteil, viele Twitterer bekommen Lust auf einen eigenen Blog, sogar ich überlege mir einen eigenen Blog zu veröffentlichen und in Twitter zu posten. Ich denke eher, dass Twitter das RSS ablösen oder verändern wird, jedoch lebt das moderne, soziale Internet von Blogs und das wird sich meines Erachtens nicht ändern. Lieber weniger Blogbeiträge, dafür gute, die kurzen unnötigen können zukünftig gerne über Twitter in 140 Zeichen abgehandelt werden.
Die Informationsflut wird immer mehr und meiner Meinung nach sind zu lange Texte out, aber Twitter ist auch zuwenig. Ich könnte mir ein Mittelding vorstellen. Deswegen Tweetblogge ich auch und habe damit genau den Mittelweg gefunden. Schnell im Blog scrollen und bei interessanten Stellen anhalten und lesen. Viele neigen auch dazu aus einer Mücken- Nachricht einen Elefanten- Artikel zu machen, nur “um was” zu schreiben. Muss man nicht immer und ist dann auch überflüssig. Normale Blogs werden in Zukunft für Fachartikel und längere Ausführungen da sein.
Gruß Carsten
@frank hübner Uhi, dass ist aber eine wilde These von dir. Aber wenn Leute, wie du überlegen von Twitter angestoßen auch zu bloggen und sich das durchsetzt, nehm ich alles zurück
@Yankee wir werden sehn, ich denke dass Google Wave, was sich einfach als Blog einsetzen lässt, dafür vermehrt verwendet wird und Voila, meine Vorhersage ist eingetroffen. Es wird so kommen, davon bin ich überzeugt, jedoch keine elendslangen Texte die nichts aussagen, hoffe ich zumindest.
Naja, damit Twitter funktioniert müssen erstmal Inhalte vorhanden sein die man verlinken kann. Somit wird Twitter ohne Beiträge auf anderen Medien nicht funktionieren.
Ich denke es gibt dadurch weniger Content-Kannibalismus weil einfach nicht mehr soviel Re-Bloggt wird.
Aber wie gesagt aufgrund der 140 Zeichen Länge muss es auch weiterhin Blogbeiträge geben die man verlinken kann. Somit werden einige Blogger dadurch sicherlich profitieren.
Ich habe eher das Gefühl, dass das Internet flüchtig und damit schnelllebiger wird. Es ist damit (zwar auch noch, aber) nicht mehr nur noch eine Bücherei. Und das finde ich auch nicht schlimm, denn auch Meinungen sind “flüchtig” bzw. entwickeln sich weiter. Dies würde/wird natürlich tatsächlich bedeuten, dass das Verlinkungsprinzip an Bedeutung verliert, zugunsten von realtime Trends.
Du bringst es auf den Punkt. So sieht’s aus. Früher gab es im deutschsprachigen Raum kaum etwas Brauchbares zu lesen, jetzt durch Twitter noch weniger: News wiederholen sich, Content wird kopiert. Fazit: Es wird nicht nur weniger an Stoff, dieser wird auch unbrauchbarer, was die Qualität angeht.
Ich versuche meinen Twitter-Stream hochwertig zu halten und Beiträge im Blog weiterhin zu publizieren – gut verfasste Artikel lassen sich in 140 Zeichen halt nicht zusammenpressen.
Also mit Phrasen wie ‘Internetzerstörer’ und ‘weil es das Internet so vorsieht’ kann ich wenig anfangen. Das internet sieht garnichts vor sondern ist einfach nur das was wir draus machen. Das ‘Web’ funktioniert eben nur mit Links aber das Web ist nicht das Internet und das Web ist eh langsam überholt, wirre HTML konstrukte, schlechte Designs und Links gehören so oder so der Vergangenheit an, mit oder ohne Twitter.
Und ich glaube auch das Wave das nächste grosse Ding wird was unser Kommunikationsverhalten noch ein mal von vorne bis hinten aufrollen wird. Das sich Dinge verändern ist keine schlechte Sache. Twitter ist die schnellste Art und Weise sich zu informieren wenn man’s richtig benutzt und spart mir persönlich ne menge Zeit, weil ich eben keine RSS-Feeds und Blogs mehr lese, nur noch das was in Twitter gehypt wird. Und das reicht mir volkommen. Wer nicht dabei ist, Twitter wohlmöglich boykotiert, nunja der ist eben nicht mehr im internet dabei
So wie jemand der nicht im Google index ist…
Twitter killt das Internet nicht. Im Gegenteil. Auch Twitter generiert eine neue Art von Verlinkung. Halt auf eine andere Art. Ein Haufen Follower hat die gleiche Wirkung wie ein Haufen Links.
http://www.pano360.ch/killt-twitter-das-internet/
[...] Kommunikation ist für mich persönlich mit Twitter schneller und effizienter geworden als sie es jemals vorher war. Aber wie es immer mit neuen und bahnbrechenden Dingen ist, kriegen die Menschen Angst. Julian von seokratie.de hält es für ein Unding das nur noch getweetet und retweetet wird anstaat ordentliche Blogposts zu schreiben, zu verlinken und zu trackbacken. Und der SEOnaut hält Twitter gar für einen Internetzerstörer. [...]
@seonauten (:p) Ich finde Twitter ist eine herrliche Bereicherung für das Internet. Es erreicht eine sehr breite Masse, man hat kaum Platz, wodurch man kurz und knapp sein muss und wenn man weitere Informationen geben will, wie macht man das? Mit einem Blog und der passenden URL im Tweet.
Twitter ist cool UND es hat zwar nichts mit dem Thema zu tun, aber eines wird die Internetgemeinde wohl hoffentlich nie vergessen: Twitter hat sofort für Aufschub wichtiger Updates am System gesorgt, als die Lage im Iran so brenzlig war. Ein weiterer toller Pluspunkt ist auch, dass Twitter werbefrei ist (und wohl auch von größerer Werbung verschont bleibt, denn das System von Twitter ist sehr einfach zu kopieren).
@cruelty Habe nie gesagt, dass Twitter keinen Wert hat. Es hat ein Wert, wenn die anderen Werte nicht sterben
@stereophone Die Welt besteht leider nicht aus den menschen die du versuchst darzustellen, der normale Internetnutzer ist schon lange abgerissen von dem was die interessierte Gemeinde macht. Wer glaubt denn wirklich, dass der Otto-Normalverbraucher den Speed noch halten kann. Das das Internet auf Verlinkung basiert habe ich nicht erfunden und das wird auch Google Wave nicht ändern.
@markus Ein Haufen Follower generiert einen Haufen Links ? Wenn das so wäre, würden wir hier kaum diskutieren, oder ?
Öhhhääähhh… häää?
Hier liegt ein grundlegendes Missverständnis vor. Du verwechselst WWW mit Internet. Twitter ist ein weiterer Dienst im Internet, er wird es nicht zerstören, er baut darauf auf. Das jetzt schlecht zu finden, ist ungefähr so, als wenn Du Leuten verbieten wolltest Mails zu schreiben. Die können doch auch HTML-Seiten ins WWW stellen und per Telefon die Adresse dorthin durchgeben.
Selbstverfreilich ändern sich mit neuen Möglichkeiten auch die Gewohnheiten. Auch wenn sich manche alte Technik noch hält, so weint wohl kaum jemand Gopher nach. Und das WWW selbst hat auch mal das Usenet ziemlich platt gemacht. Geben tut’s das schon noch, aber ich erinnere mich auch noch an die Zeit, als man Usenet meinte, wenn man Internet sagte.
Ist Twitterbashing jetzt das Sommerlochthema der SEOs geworden? Habt ihr nix besseres zu tun?
@twitter Wer basht denn hier ? Ich bashe keinen. Nicht jeder Diskussionsansatz ist bashing. Wobei ich zugeben muss, dass nicht jeder immer wissen muss, dass einige der Kommentatoren persönlich kenne. Wieder ein Schwachpunkt den das alles hat. Am besten wir telefonieren wieder mehr und treffen uns. Sowieso meine Ansicht.
Nee, du ich glaube, dass viele Leute da jetzt schon nicht mehr mitkommen. Die Schere zwischen Freak und Leuten die garnichts mehr verstehen und die das Zeug auch garnicht interessieren wird immer größer. Fragt sich nur was am Ende der kette übrig bleibt. TV und Print ?
Wenn man sich mal die demografischen Merkmale der Twitternutzerschaft ansieht, wird schnell klar, dass die im Beitrag beschriebene Inflation nicht für das “gesamte Internet” gilt.
Stark betroffen ist demnach natürlich die SEO-Blogosphäre. Wir haben uns durch unseren eigenen Twittergebrauch selbst neue Spielregeln auferlegt. Da diese aber nun für alle gelten, relativiert sich das Phänomen in meinen Augen durch sich selbst.
Was ist nun die Folge des Ganzen?
Guter unique Content ist gefragter denn je. Die Wiederkäuerblogs sterben zunehmend aus. Das Verlinkungsbedürfnis eines SEO ist in meinen Augen ohnehin erst als gesättigt zu bezeichnen, wenn die Verlinkung den Inzest der eigenen Blogosphäre übersteigt. Und gerade in diesen anderen Sphären ist das Twitterphänomen nicht so signifikant.
@daniel schlotter Du magst Recht haben, dass dies gerade die SEO Blog sehr stark betrifft
Hallo,
Twitter ist böse, ich habe es ja schon immer gesagt
Grüße
Gretus
[...] Vertweetung der Blogosphäre durch intensives Bloggen und Verlinken entgegenzuwirken: “Die Inflation der Blogosphäre durch Twitter” [...]
Hier wird deutlich, dass einige SEOs und internetaffine Menschen schnell glauben, sie wären die Mehrheit im Netz. Genau betrachtet wird Twitter aber wenig, sehr wenig von Durchschnittssurfern benutzt, die Gefahr die davon ausgeht kann also gar nicht so groß sein.
Sicherlich könnte sich das ändern, aber momentan nutzen aus meinem Bekanntenkreis nur die Leute Twitter, die sowieso im Online Marketing arbeiten.
[...] seonauten.com Marco schreibt im Seonauten Blog über die “Inflation der Blogosphäre” durch Twitter. Er beschreibt die Veränderungen, dass mehr getwitter und weniger gebloggt wird. Dort könnt ihr [...]
@paul Ah, dass ist ein Mißverständnis. Ich bin mir über die größe der SEO/SEM Blogs und Community sehr wohl bewusst. Das ändert aber nichts an dem grundsätzlichen Problem, dass für alle alles immer mehr und schneller geschieht. Wir können aber die Evolution nicht überholen. Sprüche “Wie die Jungend macht das schon” reichen da nicht (kam nicht von dir)
@SEOnaut Ok, hab auch nicht speziell dich damit bezeichnen wollen, mehr einige Kommentare hier. Aber wie Twitter das Internet einnehmen soll, kann ich nicht nachvollziehen. Blogs werden drunter leiden, aber das liegt in meinen Augen daran, dass wir hier einen Microblogging-Dienst haben, der speziell darauf abzielt. Aber wie soll Twitter Seiten wie YouTube, MySpace, eBay, amazon, etc. “auffressen”, die ganz andere Dinge anbieten? Da käme noch eine Menge Programmierarbeit auf die Herren zu
Twitter emanzipiert die Massen von der linkgeizigen Linkerati in der Blogosphäre. Im Twitter wird viel selbstloser verlinkt als sonst wo. Es ist für Fräulein Smilla viel leichter einen Link im Twitter zu generieren als Empfehlung als einen eigenen Blog zu betreiben.
Wenn Google mit diesen Links nicht klar kommt und damit einhergehend die Old School, Black Hat White Hat, was weiß ich Hat SEOs, soll mir das nur recht sein.
Twitter ist für alle die Chance, die eine “normale” Webseite/ Shop betreiben, mal eben so eine viralmarketing Kampagne zu starten. In mir verfestigt sich gerade der Gedanke, dass uns Twitter noch etwas länger beschäftigen wird. Denn zum Hype soll jetzt anscheinend der Gegenhype entstehen, wir werden sehen. Auch ich denke das Google Wave noch mal ein weitere Quantensprung sein wird.
@baynado Glaube ja auch nicht, dass Twitter morgen zu macht, aber so leicht wie du es darstellst ist auch eine gute Viralkampagne auf Twitter nicht. Google Wave wird die erste Zeit verpuffen denke ich. Wenn dann kommt es viel später nochmal richtig raus. Für die Breite ist es viel zu früh