AMAZON – Monopolist im Onlinehandel

Problem AMAZON

AMAZON. Vor 10 Jahren hätte niemand angenommen, dass sich das Unternehmen so stark entwickelt und Online sowie offline eine solche Marktmacht erlangt. Ein Marktmacht, die nochmals einen Schub bekam, als das Unternehmen begann Fremdhändler in das System zu lassen. Für Amazon war dies ein Riesendeal. Nicht nur, weil dadurch Nischen besetzt werden konnten, sondern, weil man direkt teilhaben konnte am Margengeschäft. Gerade in Bereichen in denen man selber vielleicht nicht ausreichend ROI erzielen konnte, war das Provisionsmodell ein Segen.

Doch gerade für Onlinehändler und Onlineshops ist die Zusammenarbeit ein meist teures Unterfangen. 7 % bis 18 % Umsatzbeteiligung vom VK, sind kein Pappenstil und für viele ein Grund die Zusammenarbeit nicht zu suchen. Anderseits sind gerade viele kleinere Onlinehändler mit dem zusätzlichen Umsatz in der Lage ihre Staffeln EKs zu drücken. Aus dieser Sicht dann vielleicht doch ein guter Deal ?

AMAZON = Sicheres Standbein im Onlinehandel ?

Viele weitsichtige Onlinemarketer sehen in der Zusammenarbeit mit Amazon aber auch einen Teil Unabhängigkeit. Nur auf dem Google Bein zu stehen, wie es sehr viele OnlineShops tun ist extrem gefährlich. Da ist das AMAZON Standbein vielleicht ein möglicher Ausgleich.

Doch dieses Spiel hört sich nur auf den ersten Blick so einfach an. An einem aktuellen Beispiel sehen wir, wie der Quasi Monopolist AMAZON ein Problem werden kann. In unserem besprochenen Fall geht es um einen Onlinehändler, der seit ca. 5 Monaten mit AMAZON zusammenarbeitet und brav seine 15 % entrichtet. Alles schön und mehr oder weniger gut abgebildet im AMAZON Kundenaccount.

Hier sieht man in der Folge auch, wie der Betrag, der noch nicht ausgezahlten Verkäufe immer mehr steigt. Das spricht für guten Umsatz aber auch für ein oft unterschätzes Risiko, da Beträge zwischengeparkt sind, welche die Liquidität schmälern. Ein Problem, welches sich auch bei anderen Bezahlformen auftut. Also, der Betrag wächst und man sieht durch die gute Entwicklung kein Problem. Dann geschieht etwas, womit im normalen Geschäftsumfeld keine hätte rechnen können.

AMAZON sperrte den Kundenzugang und nimmt alle Produkte des Händlers aus dem Internetauftritt. Was zuerst nach einem Fehler aussieht, wird nach einigen Recherchen Gewissheit. AMAZON hatte zugeschlagen. Doch warum ?

AMAZON = Normaler Geschäftpartner ?

Als normaler Geschäftsmann denkt man ja, man könne jetzt eine Hotline anrufen und die Sache klären. Vielleicht gab es einen Fehler oder ein Mißverständnis ? Für den ersten Teil wurde man beruhigt. Es gab eine Hotline. Angesprochen auf das Thema konnte keine Auskunft gegeben werden. Der Hinweis, man sollte in das Kundenkonto schauen (welches ja gesperrt war. Wir erinnern uns !) war eher als lächerlich zu bezeichnen.

Nach wilden Diskussionen erfolgte ein Hinweis auf die Erläuterung des Problems per Mail. Dieser Vorgang ist jetzt 14 Tage her ohne eine Reaktion. Es wurden ca. 20 Tickets ausgelöst, von denen 2/3 ohne Zusatz gelöscht wurden und das restliche Drittel unbeantwortet blieb.

Auch die Hotline wurde weiter und verständlicher Weise immer unfreundlicher genervt. Es gab kein Rankommen an Entscheider oder Menschen, die das Problem hätten erklären können. Ein Kundenbetreuer brachte es dann auch auf den Punkt. AMAZON hat laut Vertrag das Recht jederzeit ohne Angabe von Gründen die Zusammenarbeit zu beenden. Das hilft selbstverständlich und macht AMAZON zu einen vertrauten Geschäftspartner (IRONIE).

Was geschieht mit dem Geld ?

Doch neben dem Problem der reinen Accountsperrung stellt sich noch ein anderes Problem. Was geschieht mit dem geparktem Geld ? Es gibt keine direkte Kontrolle über die Beträge, da die Abrechnung (auch ein eigenes Thema) ja im Kundenaccount lief. Eine Kontrolle kann also nicht mehr stattfinden. Die Frage ist also : Anwalt um sein Geld zu bekommen ?

Welche Chancen hat man gegen einen Quasi Monopolisten mit Sitz in den USA ? Die meisten kleineren Onlinehändler werden sich 3 Mal überlegen, ob sie das Geld dem Anwalt schenken.

Bislang hängt der Vorgang also noch in der Schwebe und man kann nur hoffen, dass die Gelder nach 90 Tagen Haltefrist wirklich ausgezahlt werden. Dann hat man zwar sein Geld aber nie verstanden, was da wirklich gelaufen ist.

FAZIT

Das aktuelle Problem zeigt, wie abhängig der Online Handel von bestimmten Umsatzquellen ist. Normale Geschäftsverhältnisse sehen anders aus. Gerade AMAZON, Paypal und Google spielen ihr Monopol anscheinend sehr offen aus. Ändern werden wir das so bald nicht, also seht es als Warnung für euer Business.

Wissenschaftler werden die Wortwahl in Sachen Monopol kritisieren. Ich sehe die Begrifflichkeit aber nicht wissenschaftlich, sondern so wie es in der allgemeinen Wahrnehmung verstanden wird und da hat Amazon einen extremst starken Markeneinfluß auf das Internet.

AKTUELLE ENTWICKLUNG

Nachzutragen bleibt, dass in dem benannten konkreten Fall eine Mail von AMAZON eingetroffen ist, in der sich AMAZON für die Sperrung und die Unannehmlichkeiten entschuldigt. Es war ein Fehler. Mit dieser Entwicklung hatte ich insbesondere deshalb nicht gerechnet, weil mir im Zuge des Post viele Bekannte von ihren Schauergeschichten berichtet hatten. Nicht einer erhielt wieder ein Freigabe.

Also es hat zwar lange gedauert und die Hotline ist inkompetent, aber sie können Fehler eingestehen. Respekt. Vorsicht wurde leider erzeugt.

7 Antworten auf AMAZON – Monopolist im Onlinehandel

Franz

Ich hatte vor kurzen einen ähnlichen Gedanken: Im Grunde sind deutsche Online-Händler von 3 großen US-Firmen regelrecht abhängig. Google, Amazon, Ebay. Eigentlich erschreckend.

Andreas

@Franz: Na ja, schon vor fast 10 Jahren haben wir von das Internet ist AEG (Amazon, Ebay, Google) gesprochen. Also so neu ist der Gedanke jetzt nicht.

Alex

Du sprichst mir mit Deinem Beitrag aus der Seele. Ich bin ca. 2008 von Amazon angerufen! worden – ob ich nicht unsere Produkte (Haushaltsartikel) auch bei Ihnen verkaufen möchte. Du kannst Dir vorstellen, dass ich eine Woche stolz wie ein Spanier rumgelaufen bin. Ich hab dann das gesamte Sortiment dort gelistet. Ergebnis war, dass ich 4 Wochen später mit fast allen Produkttiteln bei Google auf Platz 2 war, Amazon stand vor mir. Ich hatte mir also selbst ins Knie geschossen. Nach einigen Monaten hab ich das Listing dann wieder aufgegeben. Noch ein Jahr später waren diese “Diesen Artikel führen wir nicht mehr”-Seiten von Amazon immer noch vor uns.

Letztes Jahr war dann unser Mitbewerber so clever und hat die gleichen Artikel wieder eingestellt. (zur Erklärung: wir beiden haben eine Art Onlineshop-Gebietsschutz für die Artikel). Er erzeugte wieder einmal den gleichen Effekt, Amazon stellt sich bei vielen wichtigen Keywords wieder vor uns. Doch mittlerweile ist noch ein viel größeres Problem dazugekommen: Amazon schaut sich schön die Verkaufszahlen an. Die gesamten Schnelldreher und angesagten Artikel haben sie jetzt alles selbst ins Sortiment aufgenommen. Ich weiß aus erster Hand dass Amazon nun ein “guter Kunde” unseres Großhandels geworden ist- welcher Großhandel würde da auch nein sagen? Und weil man ja keine 15% Provision zahlen muss kann man natürlich auch der Billigste sein – versandkostenfrei in einem Tag ist ja selbstverständlich.

Ich kann nur alle Onlineshopbetreiber warnen: das ist die absolute Heuschrecken-Mentalität und hat nichts, aber auch gar nichts mit Partnerschaft zu tun! Ich befürchte fast, Amazon sind die Verkaufsdaten wichtiger als die 15% Provision. Marktanalyse zum Nulltarif und ohne Risiko.

Andreas Frank

Amazon betreibt Marktforschung auf dem Rücken der Marketplace-Teilnehmer. Was gut läuft wird selbst ins Programm geschoben und der Händler ist der Dumme.

In Wirklichkeit ist Amazon ja gar kein Onlinehändler, sondern eine Bank. Wenn ich mir anschaue, dass die von uns 50% Provision (Bücher / Verlagslieferung – sonst bekommt der Buchhandel 25%) verlangen, 5% Logistikkosten und dann bei Zahlung nach 60 – 90 Tagen noch 3% Skonto abziehen – da kommt weltweit einiges an Zinsen zusammen …

Dennoch, an Amazon kommt man zumindest als Verlag nicht mehr vorbei. Und man muss auch sagen, die Reichweite ist eben einzigartig.

Alexander

Ganz genau so schaut es aus. Wer dort mitmacht, der unterstützt direkt den Konkurrenten und dieser lautet Amazon. Egal ob 7% oder noch mehr, die 7% Prozent werden vom Händler abkassiert um an anderer Stelle von Amazon gegen den Händler investiert. Dies geschieht in dem man das Geld in SEO investiert oder nur mal die Adwords Klickpreise in die Höhe schnellen lässt. Kurz um, man investiert und finanziert den Konkurrenten, damit der einen platt machen kann und somit seinem Ziel “Monopol” deutlich näher kommt.

Im übrigen gilt das für alle Marptplätze ! Wie bescheuert muss man sein und jemandem vom Bruttoumsatz Prozent X abdrücken und die Arbeit, das Risiko usw trägt man selbst.

Sehr guter Artikel, wird Zeit das hier mal Licht ins Dunkle kommt.